Schlagwort-Archiv: Dortmund

Mit Marduk im Tempel

14 Feb

“Das Pokalfinale steht fest: Gladbach gegen Fürth..hömma, die Doatmunder können in Fürth nicht gewinnen. ..heute fährt hier der Sonderzug nach Gladbach…wird schon die Meisterschale rübergefahren..die sind ja nicht mehr aufzuhalten” quasselte er in sein Telefon. Dabei hatten Marduk und ich den Fußball hinter uns gelassen. Für eine kurze Weile. Auf dem Bahnsteig am Dortmunder Hauptbahnhof an diesem Sonntagmittag.

Mit einer ganz anderen Szene begann das Wochenende am frühen Samstagmorgen. Ich war gerade dabei, die Wagennummer auf dem Plan zu suchen, als sie nah an mich ging und fragte: “Gewinne mas heut?” Ein alte Dame, offensichtlich aus Mannheim oder nächster Umgebung, am Bahnsteig vor unserem Reisebeginn, putzig verkleidet und mit schwarz-gelbem Schal. Ich bin immer sehr irritiert, wenn Schwatz-Gelbe süddeutschen Lingo reden. Nicht daß es nicht ihr gutes Recht wäre, den BVB toll zu finden, ganz im Gegenteil, das freut mich sehr. Aber das passt nicht zusammen, weil man die Vereinsfarben ich die Vereinsfarben nun mal mit anderen Klängen assoziiere.  Zum Beispiel mit solchen, die wir wenige Stunden später am Wurststand hörten: “Wollta auch mit Semf?”

Zum Leverkusenspiel haben andere längst wieder alles gesagt. Marduk, der die Omnipräsenz des Fußballs in Dortmund gleich bemerkt hatte, meckerte über die vergebenen Chancen der zweiten Halbzeit. Und wie friedlich die Fans doch alle seien. Bei den Gesängen passiere nichts. Und tatsächlich war es an diesem kalten und sonnigen Samstagnachmittag recht ruhig im Stadion, wie im Hinblick auf die letzten Heimspiele auch andere bemerkten. Aber Marduk hatte alles still genossen und einer blonden Borussin im Anschluß von einer “inneren Freude” berichtet.

Die Auslosung fürs Halbfinale verfolgten wir natürlich in der Kneipe und einige an der Theke wähnten sich schon in Berlin. Das trifft auf die Mannschaft hoffentlich nicht zu. Die nämlich kann in Fürth sehr wohl gewinnen.

Ice Ice Baby

10 Feb

Nach dem souveränen Sieg der Mannschaft gegen Holstein Kiel auf vereistem Boden und dem damit verbundenen Einzug ins Pokal-Halbfinale tauchte ich beruhigt wieder hinein in den Job. Wenn ich einigermaßen ein gutes Gewissen haben wollte, müßte ich das ganze Wochenende arbeiten. Aber ich fahre nach Dortmund in mein geliebtes Stadion und freue mich so riesig.

Wenn ich mir natürlich auch gleichzeitig wieder in die Hosen mache. Bender noch verletzt. Letztes Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen verloren.  Hinspiel in Leverkusen verdammt schwierig und unentschieden. Kloppo warnt vor “unfassbar starkem Gegner.” Seit 14 Spielen ungeschlagen, irgendwann wird die Serie reißen.Und wenn ich mit nem alten Freund ins Stadion gehe, wie zuletzt gegen Kaiserslautern, dann läuft es manchmal halt nur so lala. Aber was sind das wieder für Ansprüche? Wie auch immer es ausgeht, ich sehe Borussia spielen, und das ist großes Kino, ganz unabhängig vom Ergebnis. Und ich verbringe ein Wochenende mit einem guten alten Freund in der Stadt meiner Jugend. Wie gesagt, ich freue mich riesig. Meine Mutter erzählt mir was von den Eisklumpen, zu denen meine Füße werden würden und daß ich lange Unterhosen anziehen soll usw. ihr kennt das.

Ob es regnet oder schneit, ganz egal zu welcher Zeit: Borussia Dortmund, wir sind immer für dich da!

Und ab Montag ist für den Berg Arbeit immer noch genug Zeit.

Von der Osttribüne

8 Jan

Heute beschränke ich mich auf zwei kleine Bilder, die ich von der Osttribüne aus am 22. Oktober 2011 vor unserem 5:0-Sieg gegen den 1. FC-Köln aufgenommen habe. Mit meinem inzwischen mir gestohlenen SmartPhone.

Der Blick auf dem ersten geht hinten raus auf Kampfbahn Rote Erde und zeigt dahinter einen Teil dere Skyline, die Kevin Großkreutz sich auf das Bein hat tätowieren lassen. Auf dem zu sehenden Telekom-Hochhaus stand ich übrigens anno 1982 als damals Vierjähriger auf dem Dach. Das Gebäude gehörte damals freilich zur Deutschen Post, wo meine Großtante arbeitete. Mit der und meiner Großmutter ging es dann aufs Dach. Meine Großmutter bekam zuviel, als die Tante mit mir fröhlich über den ersten Zaun hüpfte und an den Rand stiefelte. Jedenfalls habe ich den Blick darunter leicht verschwommen heute noch vor Augen.

Aber was erzähle ich…

Leben wieder erlaubt – Heidegger-City und das Ende eines Alptraums

22 Dez

Der Alptraum endete am Morgen nach dem Kaiserslautern-Spiel. Ich hatte an dem Wochenende, den letzten Tagen meiner Angst, mich mit einem guten Freund am Samstagabend am Dortmunder Hauptbahnhof getroffen. Einem ruhigen und doch sehr angespannten Abend im Getümel auf dem Alten Markt folgte ein langer Morgen mit den ersten FCK-Fans, die wir im U trafen. Diese seltsame und bedrückte Vorfreude auf ein Spiel, zu dem längst alles gesagt ist. Noch waren die Verletzten längst nicht alle verletzt.  Mario Götze, der seit dem Spiel gegen Arsenal am Zahnfleisch ging, verletzte sich nun richtig. Er hätte gescheiterweise drei Wochen ganz ausgesetzt.

In Freiburg dann war ich befreit von der Last und dem ganzen Streß. “Freiburg, wir hören nichts” tönte es auf dem Weihnachtsmarkt in Heidegger-City. Freudige Augen blickten mich im Biergarten am Badenova-Stadion an: “Unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz, oder?” Wir standen mit viel zu viel Leuten in einer Reihe, sangen alte klassiker und umarmten uns wie wild geworden bei dem schönen 3:1 durch Kevin Großkreutz. Ob es regnet oder schneit…

Am Freiburger Hauptbahnhof brauchte ich Bier. Ich saß lange an der Theke und schaute und dem Kellner beim endlos langsamen Aufbereiten von Kaffee zu. Nicht im Traum dachte er daran, mich zu fragen, was ich möchte. Hinten am anderen Ende blieb einer nicht so still und tönte: “Meister, willste auch was verkaufen?” Und ich erkannte ihn; es war MauriciusQ. Er ging zornig. Ich hatte unmittelbar vorher, hauptsächlich durch Glück, doch noch ein großes Bier bekommen.

Einen BVB-Fan aus Worms traf ich wieder am Gleis. “Fahre sie öfter auswärts? Gibts eigentlisch bei uns en Fanclub in de Näh?” Im ICE dann BVB-Fans aus Kassel vor mir. Der eine rief bei einem Lieferservice in Mannheim an: “Ich hätte gern ein Schinken-Gyros. Das ist Schinken mit Gyros drauf. Kennen Sie das nicht? Das schmeckt voll gut. Ab wieviel Euro liefert ihr? Ja, das klingt vielleicht komisch, aber wir bräuchten das an den Banhof geliefert. Weil ich bin gerade im Zug und in Mannheim haben wir neun Minuten Aufenthalt.”

Weder hatte ich MauriciusQ angesprochen noch mit dem BVB-Fan aus Worms Kontaktdaten getauscht. Ich ärgerte mich über mich selbst maßlos. Die Nacht endete in Mannheim für mich erneut im Fiasko. Aber kein Alptraum folgte.  Ich bin wiederhergestellt. Leben ist mir wieder erlaubt.

Mit dem Pokalspiel in Düsseldorf endete dieses fußballtechnisch wunderschöne Meisterjahr 2011. Roman Weidenfeller, Mats Hummels und Kevin Großkreutz ,aber auch alle anderen haben uns mit ihrem Großkampfeinsatz nochmal so richtig unter Beweis gestellt, was für ein Traumteam wir da haben. Ich würde mich gern den ganzen Tag über bei ihnen bedanken. So ein Jahr kommt so schnell nicht wieder.

Zwischenmeldung

8 Dez

Melde mich aus der schwäbischen Provinz. Das Bloggen fällt derzeit mau aus, weil ich enorm im Streß bin. Da hilft mir auch die Vorfreude auf das kommende Wochenende in Dortmund wenig.

So bitter die Heimniederlage auch war, ich habe mich über das Ausscheiden aus der CL nicht geärgert. Das war zu diesem Zeitpunkt wohl das beste, was uns passieren konnte. Die Jungs haben sich ihr blaues Auge geholt und ihre Erfahrungen gemacht. Nächstes Jahr läuft das alles ganz anders.

Damit bin ich auch schon wieder am Ende. Bis bald!

Derbysieg

27 Nov

Noch immer bin ich in einer schwierigen Lage.  Im Ungewissen. Am Derbytag nicht in Dortmund zu sein, ist traurig. Ohne Frage. Aber ich will diesen Blog ja auch nicht volljammern. Deshalb ist dies auch in dieser Woche mein erster und einziger Blogpost. Nur soviel: Selbstverständlich hat mich der Sieg gegen die Blauen jubeln lassen. DERBYSIEG! Der macht die Derby-Historie der letzten Jahre nun auch wirklich vergessen. Und so schlecht kann es mir wirklich nicht gehen, daß ich keine Kraft zum Jubeln mehr aufbringe, wenn wir Schlacke schlagen.Dennoch fehlt mir gerade das emotionale Potenzial, hier Beiträge zu schreiben, die für den Leser unterhaltsam sein könnten.

Um es kurz zu machen: Herzlichen Glückwunsch zum 50. Geburtstag an unseren Stadionsprecher! Gute Besserung, Manni Bender! Und vielen Dank an alle Fans für die Begeisterung gestern im Stadion!

Im zwei Wochen gegen Lautern bin ich auch mit dabei. Komme, was kommen mag.

Wenn ich Ralf Loose wäre

24 Okt

Daß Ralf Loose aus Dortmund-Dorstfeld kommt, wußte ich bis heute gar nicht. Mir war schon noch im Gedächtnis, daß er früher für Borussia Dortmund spielte, aber der entstammt einem schwatzgelben Umfeld, dürfte also heute noch irgendwie schatzgelb sein, denn das hört nun mal nie auf, und er trägt ja auch nach wie vor Schwarz und Gelb.

Wie macht der Mann das morgen Abend? Die Vorstellung, ich würde als Trainer irgendeines Vereins meine Mannschaft im Westfalenstadion gegen den BVB ins Feld führen, um ihn aus dem DFB-Pokal zu werfen, bricht schon in der ersten Sekunde ab. Ich möchte nicht mit ihm tauschen.

Aber kommen wir mal zu Dynamo Dresden. Und den 10.000 Anhängern, von Loose im Interview mit dem neuen kicker als “fantastische Fans” bezeichnet, die morgen in Dortmund zu erwarten sind. Okay, jeder kennt sie. Jeder weiß, wie die sich aufführen. Ich meine diesen widerwärtigen Mob.  Natürlich ist das nur ein Teil, ein ich weiß nicht wie großer. Aber sowas im Westfalenstadion zu haben, ist auch nicht gerade prickelnd.

Soviel jedenfalls dazu. Im Hinblick auf das Spiel bin ich jetzt schon nervös. Bei uns ist das in dieser Saison ja ein einziges auf und ab und eigentlich wäre von der Logik der letzten Wochen her davon auszugehen, daß es Dünamö morgen gelingt, den Deutschen Meister zur nächsten Blamage zu bringen. Aber ich will ich hier nicht schwarzsehen und nichts heraufbeschören. Unsere Jungs wissen sehr genau, daß das nichts wird, was man so nebenbei machen kann. Und Ralf Loose wird sehen…

Dann kam das Playstation-Spiel

23 Okt

“Zu den Kölner Gästen hab ich heute gesagt: Pech gehabt. Dafür könnta besser Karneval feiern,” sagte der Taxifahrer, der uns aus Dortmund-Körne abends wieder zum Königswall brachte.

Vorausgegangen war das Spiel, das man, wie Neven Subotic, so schön amerkte, eigentlich nur auf der Playstation hinbekommt. Mit Pyrotechnik von den Kölner Fans eingeläutet, die ja eh nicht ganz verstand. Beim Stand von 5:0 fingen sie “Ihr wollt Deutscher Meister sein” zu skandieren. Witzig sind und bleiben sie eben. Nach dem Spiel ließen sich sich dann auch von Kevin anfeuern. Ich mag den 1. FC Köln, ein feiner Club ganz ohne Frage, der auch hoffentlich nicht um den Abstieg wird kämpfen müssen.

Seelisch gebeutelt von der schmählichen Niederlage in Griechenland schauten wir unsere Borussia in ihrer Hochform. Mir ging das Herz auf und ich fühlte mich doch gleich wie in manchen Momenten der unvergesslichen Meistersaison. Und daß Schmelle seine erste Bude machte, freute und freut mich wirklich am meisten.  Gemeckert wurde trotzdem. Nach dem 5:0 durch Sebastian Kehl, meinte ein Rentner hinter mir: “Es könnten auch schon zehn oder elf sein.”

Abends hatte der Ermittler noch ins Subrosa in die Feldherrnstaße geladen. Ich saß stattdessen bei Wenckers am alten Markt und schaute die Wiederholung der ersten Halbzeit, wo mir Poldis ewiges fröhlich-Kölsches Lächeln gute Laune machte. Daß ich aber doch nicht mehr den Weg in den Norden fand, tat mir schließlich sehr leid.

“Da kommen die Borussen”

18 Sep

Marc Mauricius Quambusch hat auf seinem legendären Blog Hamburg Schwarz-Gelb, den er leider vor drei Monaten eingestellt hat, mehrfach geschrieben, das Ruhrgebiet ticke fußballtechnisch ganz anders als der Rest Deutschlands. Dort interessierten sich auch diejenigen für Fußball, die sich gar nicht für Fußball interessieren. Der ein oder andere wissen zwar vielleicht nicht, wer Zidan ist und kenne freilich auch die Aufstellung nicht, aber die jeweiligen Ergebnisse wolle er stets wissen.

Das stimmt. Als ich nach dem Spiel gegen Nürnberg vor vier Wochen durch die Stadt spazierte, wurde ich gleich von mehren älteren Damen gefragt: “Entschuldigen sie, wie hat Borussia gespielt?” Und dieses lächeln in ihrem Gesicht, als ich “2:0 gewonnen”  antwortete. Meine Oma, die mit Ausnahme der letzten beiden Weltkriegsjahre ihr ganzes Leben in Dortmund verbrachte und ganz stolz darauf war, in der Balkenstraße geboren worden zu sein, hatte mit Fußball nicht allzu viel am hut. “Da kommen die Borussen” hieß soviel wie “da kommen die Prollos”. Aber als ihr Enkel dann bei der WM 1982 seine ersten Fußballbildchen sammelte und bei ihr auf die Schränke klebte, hielt sie das für einen ganz normalen Vorgang. Na ja, und bei den Meisterschaften 1995 und 1996 war auch sie eben ganz stolz. Der Verein ist nun mal das Aushängeschild und Wahrzeichen der Stadt, die Institution schlechthin. Und wir alle wissen schließlich auch, nicht aus der hässlichsten Stadt im Revier zu sein und zu diesem furchtbaren und diesem furchtbaren Verein dort anzuhängen, d.h. nie so tief zu sinken, wie die Leute dort. Das beruhigt ganz ungemein, egal welches Tief man im eigenen Leben gerade hat.

BVB gucken in der Kurpfalz

14 Sep

Unter der Woche kann ich leider nicht mal eben so nach Dortmund fahren. Urlaub dafür zu nehmen geht derzeit nicht. Zum Auftakt der Champions League habe ich es mir gestern deshalb in einem meiner Mannheimer Stammlokale gemütlich gemacht. Auch nicht schlecht. Schön voll der Raucherraum mit der großen Leinwand, vorwiegend jüngeres Publikum, aber auch einige sehr in die Jahre gekommene Herrschaften sind versammelt. Fußballfans, ob Waldhöfer, FCKler, Stuttgarter oder Bayern-Anhänger sei mal dahingestellt. Alle fiebern sie für meinen BVB. Ulkig.

“Schieß doch…nää, du Gurke” ruft der eine Junge, als Kevin zu hoch visiert. ”Drei Chance howe se ghabt, die Dottmunder und bringe de Ball net noi”, sagt der ältere Herr am Tisch rechts neben mir zu einem neu Hinzugestoßenen. Eben dieser nimmt das Gegentor in der 42., als das kollektive Seufzen durch den Raum geht, gelassen: “Nee, des isch gut. Weschd warum? Jetz wache su uff, die Dottmunda. Pass uff!” Jedesmal wenn die Mannschaft schnell umschaltet und nach vorne Druck macht, geht der mit dem ganzen Körper mit und klopft links und rechts außen auf die Tischplatte: ja, so muß des soi. So muß des soi. Zackzack!” Ich selbst gebe nach dem Wechsel in der 67. Minute allmählich den Glauben an den Ausgleich oder gar den Sieg auf. “De Götze isch gold wert” sagt mir der ältere Herr links neben mir, der in der Halbzeitpause auch meint bezogen auf mario meint: “Lang könnense ne nimmie halte.” Er guckt traurig in der 81. Minute in sein leere Pilsglas, blickt zu mir auf: “Jetz howe se uffgegewe.” Doch beim Perisic-Hammer steht der Saal derart Kopf, daß man fast meinen könnte, in Dortmund im Stade zu sitzen. Ich zahle nach dem Abpfiff mein Bier und gehe nicht nur erleichtert, sondern wirklich überglücklich nachhause. Das schöne  Spiel hat mich eingenommen und ich weiß: Ganz so verkehrt lebe ich in dieser Region nicht.

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