Schlagwort-Archiv: Fußball

Vom abwesenden Fußballgott und anderen Absurditäten

20 Mai

Verdient, unverdient, völlig unverdient, völlig verdient. Unwürdig. Antifußball. Unschön. Nicht schön anzusehen. Ungerecht. Wo ist der Fußballgott? In football, the evil always wins.

Man stelle sich vor: Der BVB verliert das CL-Finale im eigenen Stadion nach Elfmeterschießen. Nach nem Ausgleich kurz vor knapp. Nachdem Dortmund 120 minuten spielerisch überlegen war. Ich hätte mich im Rhein oder in der ruhr ertränkt. Ich würde heute aus dem Heulen nicht mehr rauskommen. Deshalb finde ich die Häme, die einige von uns letzte Nacht zeigten, gelinde gesagt etwas daneben. Ja, ich weiß auch, daß uns die Bayern die ganze Saison ihre Häme über unser CL-Ausscheiden gezeigt haben. Nach jedem Dortmunder Erfolg war das ihr einziges Thema. Viel anderes blieg ihnen ja auch nicht übrig.Aber wollen wir uns nicht von ihnen unterscheiden?

Ich schaute das Finale wieder mit Priesterzions. Bei Priesterzions zuhause. Und wir drückten den Roten die Daumen. Ein Erfolg im eigenen Stadion. Ein titel nach den nationalen Pleiten. Wovon sie alle seit Wochen und Monaten geträumt hatten. Warum denn nicht?

Der Ballbesitzfußball der Bayern erwies sich allerdings als die falsche Taktik. “Abgezockt” ist für die Spielweise von Chelsea gar kein Ausdruck. Ihnen ist es auf verdammt coole Art gelungen, ihre Aufgabe gegen die Bayern zu lösen. Und sie haben nun mal gewonnen, mit welcher Taktik, ist doch vollkommen egal. Im Fußball geht es nun mal nicht um spielerische Dominanz oder Schönheit, sondern ums Toreschießen. Chelsea hat Barca rausgeschmissen, Chelsea hat die Bayern besiegt. Wenn Matthias Sammer da von einem unwürdigen CL-Sieger faselt, will man ihm doch wirklich zurufen: “Was laaaberscht du?”

Ich fand es gestern abend wirklich bitter, aber seit ich heute morgen im Netz so manche Kommentare lese, hält sich mein Mitleid in Grenzen: Nur nochmal zu Erinnerung: Anfang der Saison 2011/2012. Bayern MUSS Deutscher Meister werden, hieß es. Mit so einem Kader MUSST Du Meister werden. Bayern hat eine erfolglose Saison hinter sich, schaut jetzt aber titelhungrig nach vorne. Wenn ich aber doch etwas werden MUSS und es dann nicht werde, muß ich dann nicht etwas genauer hinterfragen, was falsch lief? Stattdessen hieß es Ende der Saison, Bayern sei anders als Borussia Dortmund in drei Wettbewerben und habe eben seine Prioritäten anders gesetzt. CL-Finale dahoam das wichtigste überhaupt. Dafür war es gestern doch definitiv zuwenig. Und der einzige, der ein wirklich guter Verlierer gestern war, war Jupp Heynckes. Mit einer ganz nüchternen Analyse. Von den Spielern haben sich die meisten als die Memmen gezeigt, die sie sind. So sehr ich ihre Enttäuschung verstehen kann.

Dennoch an die Bayern-Fans: Kopf hoch! Das war ein grausamer Moment für euch gestern und ich kann den Schmerz nachempfinden. Solche schwarzen Tage gibt es in jedem Fan-Dasein, und das ist einer der Gründe, warum wir diesen Sport lieben.

Was hat Gay Marriage mit Fußball zu tun?

8 Mai

Hier in North Carolina sind heute Wahlen und eine Abstimmung über “Gay Marriage”.  Ich beteilige mich daran aber nicht. Warum ich das erzähle?

Weil es dabei immerhin nicht um Fußball geht. In der “Sommerpause” werde ich hoffentlich häufiger wieder über solche Dinge schreiben. Nur hoffentlich, weil ich mir dabei komisch vorkomme. Seit mich der Fußball wieder so sehr fesselt, steht der hier im Blog einfach im Zentrum. Und jeder Versuch, sich davon zu lösen, scheitert. Schon vor Monaten habe ich angekündigt, über die Wahlen in den USA 2012 häufiger zu bloggen, aber dabei blieb es dann auch. Ich weiß gar nicht, wie lange das her ist, und ich bin zu faul, den entsprechenden Artikel zu suchen. Wenn ich jetzt aber einen Kommentar zur Romney-Kampagne schreiben wollte, könnte der erste Satz schon nur mißraten. Stellt euch doch einfach mal vor, auf einem anderen BVB-Blog – und davon gibt es nach wie vor einige sehr gute, jetzt bloggt auch Clemens wieder - würde der Autor plötzlich anfangen, über Ernst Bloch zu schreiben. Kann ja nur schiefgehen.

“Ihr müßt monothematische Blogs machen” meinte Manfred Messmer mal in Gummersbach. Sicher, die funktionieren auch meiner Meinung nach am besten. Vielleicht sollte ich für jedes Themenfeld einen separaten Blog starten? Puh, das hört sich nach Arbeit an. Nö, ich schreibe hier weiter über alles, was mich bewegt.

Ich muß nur passende Übergänge hinkriegen, um keinen Leser abzuschrecken. Ob ich dazu imstande bin, werden die nächsten Wochen zeigen. Heute habe ich erstmal meinen letzten Tag auf der sonnigen Insel und gehe vielleicht Angeln. Die Wahlen interessieren mich nicht. Was die Lokalpolitik anbelangt, bin ich nicht wirklich informiert, Gay Marriage wird in diesem Staat ohnehin abgelehnt und die Primary ist langweilig, da Romney ohnehin schon gewonnen hat.

Donnerstag bin ich wieder in Deutschland und blogge vermutlich über Fußball.

Meine 18 bis Katar

7 Mai

Auf Idee von Heinz Kamke haben vor ich weiß nicht wie langer Zeit (es war März 2011) mal sämtliche Fußballblogger ihre Wunsch-Erste Liga zusammengestellt. Gute Idee, nur befand sich dieses Blog zu der Zeit wohl im Tiefschlaf. Ich nutze jetzt hier im Urlaub mal die Gelegenheit, meine Liste mit fünfzehnmonatiger Verspätung nachzuholen. Here we go:

Borussia Dortmund

Diese eine Liebe wird nie zu Ende gehen.

FC Köln

Das größte Ärgernis der letzten Saison. Der Abstieg. War immer Fan vom Prinzen. Als Daum Trainer war, habe ich so gerne die Sportschau geguckt. Tolle Stadt, tolles Stadion. Ernsthaft: Wie geht Erste Liga ohne die Kölner?

SV Waldhof Mannheim

Meine Jugend eben. Der Verein, der Jürgen Kohler hervorgebracht hat. Hab sie im Ohr, meine Freunde, wie sie ihren schwarz-blauen Sprüche über den Schulhof grölten. Putziger Verein, echt. Haben in der Erstliga-Zeit in den 80ern ihre Heimspiele in Ludwigshafen (!) abgehalten. Unter dem Nazi-Trainer Schlappi. Wie peinlich. Monnem vorne, Monnem hinne. Meischtens hinne. Wird nicht mehr in die Erste Liga zurückkehren. Ein Traum wäre es trotzdem. De schenschde VW is de SVW.

SC Freiburg

Glaubt nicht dieses Gelaber über den „unmöglichen Gästeblock“. Das ist einfach übertrieben. Die Badener gehören(im Unterschied zum KSC) in die Erste Liga, weil sie sympathisch sind. Punkt.

FC Bayern München

Uli Hoeneß war neben dem wahnsinnigen Christoph Daum immer der Hauptfaktor, der den Unterhaltungswert der Sportschau hat ansteigen lassen. Was wäre die Bundesliga ohne Ulis roten Kopp? Was wird überhaupt aus den Bayern nach Uli? Egal. Ich konnte mit dem Verein nie irgendwas anfangen, aber Erste Liga ohne die Bayern ist unvorstellbar.

VfR Mannheim

Der andere Repräsentant des Kurpfälzer Amateurfußball. Deutscher Meister 1949 und damit im Vergleich zu Waldhof der erfolgreichere Verein. Soll according to einem Ex-Kollegen derzeit in der fünften Liga einen „richtig guten Fußball“ spielen. Und damit hätten sie den Durchmarsch in die Erste Liga wohl noch eher verdient, oder?

VfL Bochum

Ich habe mich immer gefragt, wie ein Verein Herbert Grönemeyer zu seinem Aushängeschild machen kann. Völlig panne, die Bochumer Jungens. In der Zeit, als uns Thomas Doll trainierte, habe ich mich aus Spaß übrigens öfter mal als Bochum-Fan ausgegeben. Manche haben es mir auch noch abgenommen. Das Ruhrstadion jedenfalls ist ein echtes Schmuckstück. Achtzehntes Heimspiel. Ben Redelings und Frank Goosen. Gehören deshalb in die erste.

VfB Stuttgart

Mit dem Verein tue ich mich schon schwer. Fand die Schwaben immer eher langweilig. Das allerdings dürfte seit dem 4:4 am 30. März wohl passé sein. Haben tolle Fans im Netz: besagten Heinz Kamke und Hirngabel. Das neue Stadion ist mein Ziel Nr. 1 für die Auswärtsfahrten kommende Saison.

HSV

Uwe Seeler. Deutscher Meister unter Ernst Happel. Ich mit meinem Laufkumpanen im Pressebereich beim 4:0 gegen den „Glubb“, April 2003. Nur vom Feinsten. Sechsmal Meister, dreimal Pokalsieger, immer Erste Liga. Letzteres soll und wird langfristig so bleiben.

Eintracht Braunschweig

Das ist mal ein Traditionsverein. An der Wiege des Deutschen Fußballs. Der lange Weg nach unten seit Mitte der 80er war freilich eigenem Dilettantismus geschuldet. Dennoch: Die, nicht Wolfsburg gehören in die Erste.

FC Carl Zeiss Jena

Der erste (und einzige) Ostler in meiner Wunschliga. Über die weiß ich ehrlich gesagt nicht viel. Meine Aufmerksamkeit in der Sportschau gilt ihnen, seit ich einen ihrer treuen Fans sehr gut kenne. Mag sein, daß Dünamö und Hansa Rostock für die Fußballkultur im Osten wichtiger sind. Aber so lange da antisemitische Transparente hochgehalten werden, soll Dresden unten bleiben. Und mit Jena im Westfalenstadion, könnte ich mich eben mit besagtem Fan treffen. Erste Liga wäre mal was.

FC Kaiserslautern

Auch meine Kindheit. Ich habe ja einige Zeit auf einem pfälzischen Dorf gewohnt. Und in der deutschen Toskana gibt es nun mal nur einen Verein. Die Meisterschaft 1991 habe ich noch sowas von lebhaft vor Augen. 98 war ich aus der Pfalz Gott sei Dank längst weg. Die meisten Fans sind Trollos. Aber der Betze gehört zur Ersten Liga. Seht zu, daß ihr nächstes Jahr zurückkommt.

Rot-Weiß Essen

Die Geschichte mit dem Stadion finde ich unglaublich. Haben mindestens so treue Fans wie die Waldhöfer, und das in größerer Zahl. Und wir haben einen gemeinsamen Feind.

Hannover 96

Mr. Moe. Muß euch jetzt nichts sagen, ist ein witziger Fan von denen. Sind sonst langweilig, aber der Grund reicht aus.

Eintracht Frankfurt

„Deutscher Randalemeister 2011“ war mal ne Ansage. Die Fans sind sowas übel, daß sie aus der ersten Liga allein deshalb nicht wegzudenken sind. Überhaupt: Der Verein hat was.

FC Nürnberg

So lange ist es nun auch nicht her, daß die „Rekordmeister“ waren. Traditionsreich, super Stadion. Mich stört nur deren Fan-Freundschaft.

Werder Bremen

Och jooooo. Herrlich liberal.

Schlacke

Würg! Was ist der Mensch doch ein erbärmliches Wesen, daß er sowas hervorbringt. Aber die bittere Wahrheit ist: Ohne Derby geht es nicht.

Bei jedem Auswärtsspiel wird die Welt so bunt, meine Droge ist das Leder und der Ball ist rund

6 Mai

Eigentlich wollte ich heute mal so meine Gedanken zur zurückliegenden Saison bloggen und einen Rückblick schreiben, wie ich die letzten Monate erlebt habe. Aber das verschiebe ich doch besser mal auf die Woche nach Pokal-Finale und Meisterfeier.

Was erwarte mir aber von der Saison 2012/2013? Ich habe in den letzten zwei Wochen häufiger gedacht: Mit Meisterschaften ist erstmal gut für die nächsten sechs Jahre. Schließlich soll die Meisterschaft was Besonderes bleiben und absolut nichts, was man sich von einer Saison erwartet. Ich habe wirklich nichts dagegen, wenn der Ballspielverein Borussia 09 Dortmund sich auch langfristig oben festsetzt. Aber ich will endlich davon weg, daß man jeden Spieltag erleichert ist, wieder nicht verloren zu haben. Sicher: Drei Meisterschaften in Folge würden die Bayern wirklich allmählich dumm aussehen lassen. Aber es gibt ja – Schalke abgezogen – noch 15 andere Teams, die Meister werden können. Wobei ich nicht falsch verstanden werden will: Sollte es im Frühjahr wieder in den Titelkampf gehen, werde ich auch die Daumen drücken, daß es klappt. Was sonst?

Wo wird es nächste Saison hingehen? Auswärtsspiele sind prinzipiell interessanter als Heimspiele und ich habe mir vorgekommen, mindestens drei, eher vier oder fünf nächste mitzumachen. Und ich will in der  dritten und vierten Liga ein bißchen unterwegs sein und neue Stadien kennenlernen. Da trifft es sich ganz gut, daß die “11 Freunde” in der aktuellen Ausgabe die 99 Orte, die ein Fußballfan gesehen haben muß, Deutschlands wirklich sehenswerte Sehenswürdigkeiten also, auflisten. Zugegeben: Von einigen dieser Orte hatte ich noch nie was gehört. Und bei anderen frage ich mich dann doch, warum man sich die anschauen sollte. Ernsthaft: Was will ich mit einem Besuch in der Bäckerei Klinsmann? Und das P 1 in München will ich ganz bestimmt nicht sehen. Aber alles in allem hat die beeindruckende Zusammenstellung meine Neugierde so richtig geweckt. Zum Beispiel auf das Ellenfeldstadion im saarländischen Neunkirchen. Oder auch den HSV-Friedhof in Hamburg-Altona.

Und da wäre ich auch schon wieder bei der Ersten Liga. Im Volksparkstadion war natürlich ich schon, aber bei so vielen Bekannte, wie ich sie inzwischen in Hamburg habe, bleibt das attraktiv – ne Boykott-Aktion von “Kein Zwanni” wird es sicherlich nicht nochmal ausgerechnet in der Hansestadt geben. Nach Fürth fahre ich ganz gewiß nicht – ist ja ein furchtbarer Verein. Das (leider) nahe gelegene Hoppenheim auch gestrichen. Demgegenüber tut es mir leid, daß der Betze nächste Saison ausfällt. Die kurze Reise von Mannheim dorthin ist immer ein Erlebnis. Eintracht Frankfurt werde ich mir auf jeden Fall geben, genau wie den VfB Stuttgart (zusammen mit meinem Schwabenfreund aus der Studentenverbindung), wenn es irgendwie terminlich passt, und ich verspreche, ich werde im neuen Stadion auch mal pinkeln gehen. Der SC Freiburg wird sicher wieder eine Reise wert sein. Ich versthe nicht, was die Leute immer über den “Scheiß-Gästeblock” und die fehlende Gastfreundschaft in Heidegger-Stadt reden. Freiburg hat im Moment einen supersympathischen Trainer und tolle Fans, wie man gestern im Westfalenstadion gehen hat. Und mir hat es auf der Südtribüne dort sehr gefallen.

Köln fällt nächste Saison auch flach, das ärgert mich fast noch mehr als Lautern. Und ich glaube, das sehen viele ganz ähnlich wie ich. Dafür kommt (hoffentlich) die Auswärtsfahrt nach Düsseldorf – dreimal mehr ne Reise wert als das Nazistadion in Berlin mit seinem behämmerten Preetz. Mainz: na ja von mir aus. Ansonsten würde ich sehr gerne endlich mal das Weserstadion in Bremen sehen – ob mit Fahrt auf der Fähre oder ohne. Leverkusen, Augsburg und Wolfsburg lasse ich mal lieber sein. Arroganz-Arena und Hannover – gerne, wenn das Spiel nicht gerade am Freitag oder Sonntagabend liegt. Ganz so hart bin ich nun mal nicht. Deshalb verfolge ich auch das Derby in der Turnhalle lieber am Bildschirm. Habe ich jemanden vergessen?

Bleibt die Frage, wie ich das alles mit dem Marathonlaufen verbinde. Im Moment bin ich da aufgrund meiner Vertzung immernoch vorsichtig. Ich hoffe aber, daß ich im Herbst nach 2 Jahren endlich wieder die 42km laufen kann. Es wird schon irgendwie gehen. Ein Großteil der Vorbereitung fällt ohnehin noch in die Sommerpause. Sicher wird es schwierig, die ersten Wochen der Saison auf Alkohol verzichten zu müssen. Aber spätestens Ende Oktober werde ich es hinter mir haben. Und die Auswärtsfahrten können mit allem Spaß stattfinden: Forzaaaa Beee Vaaauuu Beeeee!

Wahre Worte

2 Feb

Was die Fans betrifft, hat der Journalist den Blick des Zoobesuchers: Aus großer Entfernung, hinter Zäunen oder anderen Absperrungen wird geschaut, ob die lustig anzusehenden Männchen ihre netten Liedchen singen, zum richtigen Zeitpunkt zu La Ola die Hände nach oben reißen oder sie sich danebenbenehmen. Fans gelten vor allem außerhalb des Stadions als Pöbel, mit dem man sich besser nicht umgibt. Diese Verachtung proletarischer Öffentlichkeit ergibt sich zwangsweise aus der Perspektive, mit der Sportjournalisten ein Spiel betrachten. Es ist die Perspektive derer, die glauben, nur das Geschehen auf dem Rasen sei wichtig. Und von dem glauben sie, es habe nichts mit der Gesellschaft zu tun und sei irgendwie vom Himmel gefallen.

- Martin Krauß, konkret 02/2012, S. 51

Kein Zwanni und das Hamburg-Spiel

30 Dez

Seit etwa zwei Tagen sorgt die Initiative Kein Zwanni wieder für Diskussionen. Aufgerufen worden war zum Boykott des Spiels beim HSV am 22. Januar. Mittlerweile ist der Gästeblock ausgekauft. Diskutiert wurde unter anderem im Schwatz-Gelb-Forum, inwiefern nun der Boykott gescheitert oder es als Niederlage für die Initiative zu werten ist. Immerhin ist das Spiel an einem winterlichen Sonntagnachmittag in Hamburg wirklich nicht sehr verlockend zum Besuch. Wie Ihr auf der Website der Initiative seht, wird es am 3. Januar im Westfalenstadion ein Fantreffen geben, um die Zukunft von Kein Zwanni zu besprechen.

Als ich mit meinem Kumpel zum Spiel gegen Lautern in Dortmund war, wurden fleißig Flugblätter zum Boykottaufruf verteilt. Mein Kumpel, ein in Hamburg lebender und aus Bruchsal stammender VfB-Stuttgart-Fan fand die Initiative auf Anhieb total klasse. Ich selbst habe mich im Vorfeld des Pokalspiels in Sandhausen das erste mal wirklich mit Kein Zwanni beschäftigt, auch wenn ich schon vorher -vor allem im Zusammenhang mit dem Boykott beim Derby im September 2010 darüber gelesen hatte. Das Spiel in Sandhausen habe ich mit einem ehemaligen Kollegen aufgesucht und ich hatte eigentlich gar nicht damit gerechnet, für das spiel noch Karten zu bekommen. Jedenfalls hatte der SV Sandhausen die Preise bei 18 Euro für nen Steher und 49 Euro (!) für nen Sitzplatz angesetzt. Dank der Aktivitäten der Initiative senkte der SV Sandhausen schließlich die Stehplatzpreise auf 15 Euro.

Sage also keiner, daß das nichts bringen würde. Was Hamburg anbelangt: Ich habe auch damit gerechnet, daß der Gästeblock und letztlich auch das ganze Spiel ausverkauft sein würden. Ja, es ist ein Sonntag, aber es ist eben auch das erste Spiel des BVB nach der Winterpause. Und nicht wenige BVB-Fans leben im Norden und haben das einzige Mal im ganzen Jahr hier die Möglichkeit, zum Spiel zu gehen ohne große Anreise, was wiederum die Zahlungsbereitschaft für die Karten erhöht. Die Nachfrage wurde auf jeden Fall gedrosselt, die Karten gingen langsamer weg als sonst. Wobei sich vermutlich jeder von denen, die hinter der Initiative stecken, erhofft hätte. Man sollte sich aber nicht davon beeindrucken lassen, wenn es mal nicht so läuft, wie man sich wünscht. Macht also weiter so!

Vorhersagen für 2012

29 Dez

Wie sinnlos ist dieser Beitrag eigentlich? Ich mache das jedes Jahr und falle damit immer auf die Schnauze. Weil diese glaskugel eben doch nix taugt. Aber ich bin Volkswirt und wir Volkswirte machen Prognosen auf der Grundlage der uns vorliegenden Daten und außerdem macht das Spaß.

Fangen wir mit dem Sport an:

1. Euch is schon klar, daß eine Meisterschaft für Schlacke realistisch ist. Ich habe sogar daran gedacht, den Blauen die Meisterschaft 2012 vorherzusagen. Aber das ist zuviel des Horrors. Dehalb bleibe ich bei der – billigen – Prognose, daß Deutscher Meister der FC Bayern München wird. Borussia Dortmund wird Zweiter vor Borussia Mönchengladbach. Schlacke wird Vierter.

2. Der Ballspielverein Borussia Dortmund 09 kommt ins DFB-Pokalfinale. Gegen Bayern. Den Sieger will ich nicht prognostizieren.

3. Es wird 2012 keinen neuen Marathon-Weltrekord geben. Aber der Autor dieses Beitrags wird eine neue Bestzeit erzielen.

Zur Politik:

4. Barack Obama besiegt knapp den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. Die Demokraten behalten die Mehrheit im Senat, die Republikaner behalten die Mehrheit im Repräsentantenhaus.

5. EU und Euro-Zone bleiben stabil. Weil sie stabil bleiben müssen. Deutschland muß seine Exporte schließlich irgendwohin verkaufen und wird dafür auch weiter zahlen. Im Zweifel helfen China, Rußland und auch die USA nach.

6. Der Dollar nimmt im Verhältnis zum Euro jeden Wert zwischen 1,20 und 1,48 irgendwann mal an.

7. Die Euro-Inflationsrate in Deutschland bewegt sich bei 2 %, im Euro-Raum bei 3 %. Mehr wird nicht drin sein – aller Paranoia in deutschland zum Trotz.

8. Die FDP zieht in den Landtag von Schleswig-Holstein ein und behauptet sich in der Regierung. Auch hier also nix neues.

Das war jetzt aber langweilig? Was glaubt ihr denn, was 2012 passieren wird?

Things that make you go hhhmmmm

29 Nov

Beim Fußball setzt mir hin und wieder der Verstand aus. Das wurde mir in jüngster Zeit zweimal bescheinigt. Zuletzt am Sonntagabend bei twitter von Lizas Welt, weil ich nach der Bayernniederlage in Mainz dieses Lied von den Schröders verlinkt und am Tag zuvor nach unserem Derbysieg das Wort “Sieg” in großen Lettern getwittert hatte. Und erst im September gab sich ein Genosse aus Wien überrascht, wie doch gerade beim Fußball Leute, die sonst eigentlich ganz vernünftig seien, auf einmal den Verstand verlören und “widerwärtigste Ressentiments” verträten. Ich hatte vorher über die Fans, die während der sich abzeichnenden Niederlage gegen Hertha BSC vorzeitig das Westfalenstadion verließen und der eigenen Mannschaft den Mittelfinger zeigten, gesagt, sie seien in der Arroganz-Arena besser aufgehoben.

Nun handelt es sich in allen Fällen zweifellos um Aussetzer. Ich registriere schon noch immer in dem Moment, da ich Schwachsinn von mir gebe, daß es Schwachsinn ist. Trotzdem stoppe ich das nie rechtzeitig. Mir tut das dann meist im nächsten Moment schon leid. Kommt dann Kritik, wie oben beschrieben, habe ich oft tagelang daran zu knabbern. Nun sind wir BVB-Fans fürs Emotionale bekannt und dafür muß sich niemand schämen. “Du bist so emotional” ist kein Vorwurf, eher ein Kompliment. Deshalb darf aber nicht der Verstand aussetzen. Der muß letztlich die Kontrolle in jeder Situation behalten. Ich habe grundsätzlich recht hohe Ansprüche an mich selbst, und bin immer erstmal schwer über mich enttäuscht, wenn ich plötzlich in meinem jüngsten Verhalten mich selbst nicht wiedererkennen kann.

Es ist natürlich immernoch besser, man verliert bei facebook und twitter für einen kurzen Moment den Verstand als in manch anderer Alltagssituation. Dennoch muß ich erstmal noch ne Weile über mein eigenes Social Media Verhalten nachdenken.

Aktion Libero

16 Nov

Power of Will schließt sich an:

Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.
 
Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul  ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.
 
Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig:
Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.

via Lizas Welt

Borussenfront 2.0

1 Nov

Durch einen Hinweis im Schwatz-Gelb-Forum komme ich auf ein Thema, das ich hier im Blog schon seit einiger Zeit ansprechen will: Die Überschneidungen von nazistischer und aktiver Fußballszene im Allgemeinen und die Autonomen Nationalisten auf der Südtribüne im Besonderen.

Der obige Hinweis bezieht sich auf das Buch “Angriff von Rechtsaußen. Wie Neonazis den Fußball mißbrauchen” von Ronny Blaschke. Lesung und Diskussion mit ihm gibt es übermorgen in Göttingen.

Ich habe das Buch noch nicht gelesen, kenne nur ein Interview mit ihm: “Sie werden von vielen toleriert” (konkret 08/2011). Darin sagt er eben, daß die Autonomen Nationalisten regelmäßig auf der Südtribüne stehen. Zwar fielen sie zahlenmäßig freilich nicht weiter ins Gewicht, aber sie würden von vielen toleriert.

Inwiefern das stimmt, kann ich leider nicht beurteilen. Die Südtribüne ist nun mal riesig. Und ich sitze im Westfalenstadion ohnehin meist auf der West oder Ost. Daß die AN wirklich Teil der aktiven Fanszene sein soll, kann ich nicht recht glauben. Andererseits war auch die “Borussenfront, als es sie noch gab, nicht gerade klein. Aber ich würde mich freuen, wenn in der besagten aktiven Fanszene das Thema häufiger angesprochen würde, um eben jene Toleranz abzustellen. Die AN verschwinden nämlich nicht von alleine.

Ja, ich weiß, das Thema ist am Tag eines so wichtigen Spiels doof, wo wir doch  immernoch damit beschäftigt sind, über die Gewalt in den Stadien zu reden. Nein, ganz grundsätzlich ist das Thema eben sehr wichtig, und gemessen an seiner Relevanz lese ich viel zu wenig darüber.

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