Schlagwort-Archiv: Mario Götze

Das Lachen von Shinji

29 Jan

“”Lärmattacke” hieß das Stichwort nach dem Hinspiel und Lärmattacke könnte auch heute das Stichwort lauten” erklärte Boris Rupert im BVB Netradio, während der Deutsche Meister von der ersten Minute an die TSG Hoffenheim unter Druck setzte, lautstark unterstützt von den Fans, die wohl nicht nur von der Süd aus die schwarz-gelbe Mannschaft anfeuerten. 48 Tage hatte es kein heimspiel mehr gegeben, die Fans hatten sich danach gesehnt. 3:1 der Endstand und damit der erste Bundesliga-Heimsieg gegen Dietmar Hopps Konstrukt aus dem Kraichgau. 

Mann des Spiels war diesmal zweifelsohne Shinji Kagawa, dessen Lachen mir seitdem Spiel vor Augen haften blieb. Er traf selbst in der 16. und in der 55. Minute und leistete die Vorabreit für Kevin Großkreutz beim 2:0 in der 31. Minute.  Ein überflüssiges Gegentor mußte es dann, wie schon bei den Auswärtssiegen in Hamburg und Freiburg (und letztlich auch bei den davor unentschieden gespielten Partien gegen Kaiserslautern und Mönchengladbach, wohl einfach geben. In diesem Fall war es Johnson, der in der 63. Minute für die Gäste.

“Dortmund ohne Götze nur Grütze”, hieß es in BILD im vergangenen September. Das war freilich damals schon Schwachsinn. Aber der BVB hat gestern mit echtem Zauberfußball einmal wieder das genaue Gegenteil bewiesen. Borusia Dortmund bleibt auf Kurs und könnte bald den FC Bayern München, der vor gar nicht allzu langer Zeit noch ein astronomisches Torverhältnis zeigte, bald aufgrund einer besseren Tordifferenz vom ersten Tabellenplatz stoßen.

Sorgen bereiten einem wirklich die Blauen. Die gestern zwar verdient gegen den FC Köln gewannen, aber definitiv einen zu hohen sieg davon trugen. Und in jedem Spiel zu mehreren Buden kommen, punktgleich mit den Bayern und dem Deutschen Meister bleiben. Werden sie am Ende der Saison der lachende Dritte sein?

Zwei Ereignisse ohne Zusammenhang – Fankongreß und Wintercup

15 Jan

Ein bißchen was los war dieses Wochenende dann doch. Der Fankongreß in Berlin war mir im Voraus wirklich vollkommen egal, aber im Nachhinein betrachtet finde ich es schon wieder schade, daß ich nicht dabei war. Denn das Gefühl, engagiert zu sein und irgendwas zu bewegen oder zumindest bewegen zu wollen, ist doch ein schönes. Und dann habe ich auch noch Diskussionen mit dem Ermittler dembowski als Moderator verpasst.  Zum Kongreß sind hier sehr die Berichte von Fabian Fiedler sehr zu empfehlen.

Und heute Nachmittag war ein unspektakulärer Wintercup in Düsseldorf zu verfolgen. Der amtierende Deutsche Meister zeigte sich im Düsseldorfer Rheinstadion über 45 Minuten gegen Fortuna in guter Form. In Führung ging der BVB mit einem Treffer durch Kagawa, kurz drauf folgte mit einem wahren Hammertreffer von Christian Wagner der Ausgleich. Perisic scheiterte kurz vor knapp mit einem Pfostentreffer. Im Elfmeterschießen haben dann eben Götze und Hummels verschossen. Zumindest bei Götze zählen Elfer wirklich nicht zu seinen Stärken. Hat jedenfalls nicht geschadet, es mal wieder geübt zu haben. Dennoch war der BVB mehr zwanzig Minuten lang drückend überlegen. Ein wunderbarer Angriff durch Lewandowski kurz vor Schluß war nur einer der Glanzmomente.  Das Spiel um Platz 3 gegen Werder Bremen war über die längste Strecke langweilig. Der Ballspielverein gewann durch einen Treffer von Mohamed Zidan.

Fortuna setzte sich im Finale auch gegen Borussia Mönchengladbach durch, gewann also den Wintercup und wurde – vor allem durch das gewonnene Elfmeterschießen gegen den BVB – ein ganz klein wenig für die Niederlage im Pokalspiel vor fast vier Wochen entschädigt. Ich hätte im Übrigen wirklich nichts dagegen, wenn Fortuna aufstiege.

Und nach dem, was ich heute und vor einer Woche im Testspiel gegen Standard Lüttich gesehen habe, mache ich mir im Moment wenig Sorgen um den Beginn der Rückrunde.

UPDATE: Ein Zusammenhang dieser Ereignisse – das hatte ich schon wieder vergessen – kommt einem natürlich schon in den Sinn. Bei dem Fangreß ging es freilich unter anderem um Pyrotechnik. Und was geschah heute in Düsseldorf – na klar, es flogen – vermutlich aus dem BVB-Block – Böller auf den Rasen. Das lasse ich mal so stehen.

Auch das Meisterjahr endet ohne Silvesterlauf

31 Dez

Eben noch sah ich im Morgengrauen an der Haltestelle Daniel beim Schlafen zu. Wir stiegen in irgendeine Bahn und fuhren durch Wien – er schlief weiter. Und später setzte er seinen Schlaf bei Starbucks in der Nähe vom Stephansplatz fort. Das war am Neujahrsmorgen 2011. Am 2. Januar fuhr ich zurück nach Mannheim und wurde in Würzburg wegen Überfüllung des Zuges aus dem ICE geschmissen – obwohl ich bis Frankfurt reserviert hatte.

Und das soll es schon wieder gewesen sein? Das Meisterjahr 2011 (“mach mich hoch, mach mich hoch; 1:0 für Köln!”)? Das Jahr, in dem wir zweimal in München gewannen. Das Jahr der arabischen Revolutionen und der Rückkehr der Angst vorm Atomtod. Es war ein total beklopptes Jahr für mich. Mit einem neuen Job, der super läuft und in dem ich mich wohl fühle. Aber auch ein Jahr mit einem Alptraum, enormen Verlusten und einem halben Jahr ohne Lauftraining. Ohne Marathon.

An Silvester nehme ich seit acht Jahren immer am Silvesterlauf in Schifferstadt teil. Der wurde letztes Jahr witterungsbedingt abgesagt und ich fuhr nach Wien. Dieses Jahr wird es nichts, weil ich erst in dieser Woche wieder mit dem Laufen angefangen habe und der Fuß auch noch nicht wirklich wieder intakt ist. Dabei ist dieser 10-km-Lauf durch den Wald in der Nähe von Speyer eine wunderbare Nachmittagsbeschäftigung für Silvester. Einmal noch im alten Jahr was leisten und dann das Jahr gemütlich ausklingen lassen. Wobei ich die Rede vieler Läufer schwachsinnig finde, die da meinen, man könne so “guten Gewissens” feiern. Feiern geht ja nur mit Leistung. Quatsch. so lange wir leben, haben wir auch was zu feiern.

Das klingt jetzt vielleicht nach stinklangweiliger Kirchenpredigt, aber ich muß nach den Erfahrungen dieses Jahres doch mal sagen, daß wir unsere Gesundheit, das “normale Leben” viel zu wenig zu schätzen wissen. Krankheit und Tod, Drama, Angst und Trauer gehören natürlich zu eben diesem “normalen Leben.” Aber wir sind uns viel zu wenig bewußt, wie schnell sich die Dinge ändern können. Immer könnte alles auch ganz anders sein. Und wie belanglos die meisten unserer Álltagsprobleme sind, sehen wir naturgemäß erst, wenn es knüppelhart kommt.

Ich habe die besten Eltern und die besten Freunde, die man sich nur wünschen kann. Und ich bin BVB-Fan und wir haben gerade die Zeit von Jürgen Klopp. Mats Hummels oder Mario Götze beim Spielen zusehen zu dürfen, Pils zu trinken, Philip Roth zu lesen, das sind die Freuden, für die ich dankbar bin. Und wer weiß, was 2012 bereit hält. Denkt dran, wir werden immer zweimal in Folge Meister und dann nochmal sechs Jahre später…kommt gut rüber ins neue Jahr!!

Leben wieder erlaubt – Heidegger-City und das Ende eines Alptraums

22 Dez

Der Alptraum endete am Morgen nach dem Kaiserslautern-Spiel. Ich hatte an dem Wochenende, den letzten Tagen meiner Angst, mich mit einem guten Freund am Samstagabend am Dortmunder Hauptbahnhof getroffen. Einem ruhigen und doch sehr angespannten Abend im Getümel auf dem Alten Markt folgte ein langer Morgen mit den ersten FCK-Fans, die wir im U trafen. Diese seltsame und bedrückte Vorfreude auf ein Spiel, zu dem längst alles gesagt ist. Noch waren die Verletzten längst nicht alle verletzt.  Mario Götze, der seit dem Spiel gegen Arsenal am Zahnfleisch ging, verletzte sich nun richtig. Er hätte gescheiterweise drei Wochen ganz ausgesetzt.

In Freiburg dann war ich befreit von der Last und dem ganzen Streß. “Freiburg, wir hören nichts” tönte es auf dem Weihnachtsmarkt in Heidegger-City. Freudige Augen blickten mich im Biergarten am Badenova-Stadion an: “Unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz, oder?” Wir standen mit viel zu viel Leuten in einer Reihe, sangen alte klassiker und umarmten uns wie wild geworden bei dem schönen 3:1 durch Kevin Großkreutz. Ob es regnet oder schneit…

Am Freiburger Hauptbahnhof brauchte ich Bier. Ich saß lange an der Theke und schaute und dem Kellner beim endlos langsamen Aufbereiten von Kaffee zu. Nicht im Traum dachte er daran, mich zu fragen, was ich möchte. Hinten am anderen Ende blieb einer nicht so still und tönte: “Meister, willste auch was verkaufen?” Und ich erkannte ihn; es war MauriciusQ. Er ging zornig. Ich hatte unmittelbar vorher, hauptsächlich durch Glück, doch noch ein großes Bier bekommen.

Einen BVB-Fan aus Worms traf ich wieder am Gleis. “Fahre sie öfter auswärts? Gibts eigentlisch bei uns en Fanclub in de Näh?” Im ICE dann BVB-Fans aus Kassel vor mir. Der eine rief bei einem Lieferservice in Mannheim an: “Ich hätte gern ein Schinken-Gyros. Das ist Schinken mit Gyros drauf. Kennen Sie das nicht? Das schmeckt voll gut. Ab wieviel Euro liefert ihr? Ja, das klingt vielleicht komisch, aber wir bräuchten das an den Banhof geliefert. Weil ich bin gerade im Zug und in Mannheim haben wir neun Minuten Aufenthalt.”

Weder hatte ich MauriciusQ angesprochen noch mit dem BVB-Fan aus Worms Kontaktdaten getauscht. Ich ärgerte mich über mich selbst maßlos. Die Nacht endete in Mannheim für mich erneut im Fiasko. Aber kein Alptraum folgte.  Ich bin wiederhergestellt. Leben ist mir wieder erlaubt.

Mit dem Pokalspiel in Düsseldorf endete dieses fußballtechnisch wunderschöne Meisterjahr 2011. Roman Weidenfeller, Mats Hummels und Kevin Großkreutz ,aber auch alle anderen haben uns mit ihrem Großkampfeinsatz nochmal so richtig unter Beweis gestellt, was für ein Traumteam wir da haben. Ich würde mich gern den ganzen Tag über bei ihnen bedanken. So ein Jahr kommt so schnell nicht wieder.

Warum ich die Deutsche Nationalmannschaft plötzlich toll finde

11 Okt

Das Spiel gegen Belgien, von dem ich jobtechnisch und dann auch wegen der Deutschen Bahn nichts gesehen habe, nehme ich zum Anlaß, hier mal mit meinem Verhältnis zur Deutschen Nationalmannschaft aufzuräumen. Mit der hatte ich als “antideutscher Fußballfan” bisher natürgemäß wenig im Sinn. Aber das hat sich gründlich geändert. Und die Verantwortung dafür haben natürlich Borussen.

Von vorne: Auch wenn ich bei der WM 1982 schon Fußballbildchen von Rummenigge und co. sammelte, war die Weltmeisterschaft 1990 die erste von mir richtig Verfolgte. Ich fand das auch alles ganz gut ohne mich besonders über den Titel der Deutschen zu freuen. Daß die USA ein Team stellten, nahm ich da in dem Jahr das erste mal zur Kenntnis, und fand das Ausscheiden aus der Vorrunde irgendwie schade. Die Europa- und Weltmeisterschaften der 90er Jahre gingen dann eher an mir vorbei. Ich verfolgte zwar alles sehr genau, konnte mich aber nicht begeistern. Über die Niederlage der Deutschen im Viertelfinale gegen Kroatien 1998 erheiterte mich dann erstmals. Denn ich schaute das Spiel in einem Ausflugslokal bei Deidesheim/Pfalz und konnte mich an der schlechten Laune der Leute um mich herum so schön erfreuen. Bei der WM 2002 begann dann eine ganz komische Entwicklung: Ich bekam vor jedem weiteren Sieg der Deutschen irgendwie Angst. Über die Niederlage im Endspiel war ich einfach nur erleichtert. Genau das setzte sich vier Jahre später in verstärkter Form fort. Als die  Italiener die beiden Tore kurz vor knapp reinfegten (auf den Tag 8 Jahre nach der Niederlage gegen Kroatien), wirkte das für mich wie ein Befreiungsschlag. Wiglaf Droste sprach mir dann auch gleich aus dem Herzen. Ich sah ja auch, daß die Italiener den Titel nicht verdienten, aber dieser “Weltmeister-der-Herzen”-Partynationalismus hatte mich einfach angewidert.

Letztes Jahr hatte sich das schon sehr geändert. Sicher fand ich das ganze Gehabe und vor allem die BILD-Schlagzeilen nach den spielen gegen England und Argentinien daneben, aber ich fand es ausgesprochen gut, daß die Deutsche Nationalelf in einer Form war wie seit 1990 nicht mehr. Und über die Niederlage gegen Spanien war ich weder hämisch noch erleichtert. Noch etwas war neu: Erstmals konnte ich mich für die Nationalelf so richtig begeistern. Alle spiele nahmen mich richtig mit und die Niederlage im Achtelfinale war wie ein Schlag mit dem Knüppel; ich war am Boden zerstört.

Aber seit Anfang dieses Jahres mache ich eine ganz neue Erfahrung. Ich drücke der Deutschen Nationalelf jedesmal die Daumen. Ich?! Ja ich. Früher haben mich weder Freundschafts- noch Qualifikationsspiele sonderlich interesssiert. Jetzt schaue ich alles, was ich schauen kann und freue mich über jedes Tor, ob nun durch Özil oder sonstwen. Der Grund dafür ist in erster Linie Mario Götze, in zweiter Linie Mats Hummels. Ja, was Möller und Sammer in den 90ern nicht vermochten, haben Götze und Hummels geschafft. Wenn ich mich auch nie schwarz-rot-gold schminken oder fahneschwenkend durch die Stadt laufen werde: Der 19-jährige notorisch sympathische und gnadenlos talentierte Götze hat auch in dieser Beziehung einen anderen Menschen aus mir gemacht. Und das ist mal echt ne Leistung.

Der neunte Spieltag kommt

9 Okt

Nach unserer Heimspielniederlage gegen Hertha gastierte Aki Watzke im doppelpass und wies darauf hin, daß wir nach Länderspielen bisher immer Probleme gehabt haben. Was natürlich stimmt. Und vor dem Hintergrund, daß Kuba, Lewandowski, Piszczek, Subotic, Kagawa, Perisic, Götze und Hummels mit ihren Nationalmannschaften zehn Tage unterwegs sind, kann man sich gerade unsere Chancen für das kommende Auswärtsspiel am Freitag bei Werder Bremen ausrechnen.

Da trifft es sich gut, daß Mario Götze abgereist ist, wie gerade gemeldet wurde. Der hat nach dem Spiel gegen die Türkei eine Pause auch mehr als verdient. Sicher: er war in dem Spiel nicht allzu sehr präsent. Aber an dem zweiten tor hatte Mario den größten Anteil. In diesem Zusammenhang frage ich mich sowieso, wie das nächstes Jahr bei der europameisterschaft laufen wird. Die Anforderungen an Mario sind inzwischen so hoch, daß er sie entweder nur voll erfüllen oder bei ganz geringfügig schlechter Form schon  nur enttäuschen kann.

Bei dem Spiel gegen Belgien dürfte Marco Reus wohl zu einem längeren Einsatz kommen als gegen die Türkei.  Was ich auch begrüßen würde. Reus ist ein Dortmunder, von den Ponys ohne Zweifel der sympathischste und ein guter Spieler.

Aber dem Spiel in Bremen sehe ich trotzdem mit gemischten Gefühlen entgegen…

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