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Was es alles an so einem langen Wochenende gibt

3 Okt

Da verbringst du dein langes Wochende in irgendeiner europäischen Hauptstadt und kurz vor Abreise stößt du in einer x-beliebigen Pension, in der du genächtigt hast, im Frühstücksraum zufällig auf einen aus deiner Studentenverbindung. Kann eigentlich gar nicht passieren. Passierte mir heute morgen in Wien.

Anstrengend war die Konferenz. Was konnte ich anderes erwarten? Als am Samstag in Dortmund Borussia mit 2:0 gegen den FC Ausgburg führte, stieß ich zum dritten Podium dazu und Till Gathmann begann seinen Vortrag über Hot Shit. Eigentlich hatte ich schon zum zweiten Podium da sein wollen. Daß ich die Vorträge von Magnus Klaue und Jan Gerber verpasste, tat in meiner unbedeutenden Seele weh. Denn ich verpasste sie aus purer Dummheit. Ich war zeitig in Wien und irrte erstmal mit dem Smartphone in der Hand umher. In die völlig falsche Richtung fuhr ich. Und dann war diese VHS in Hietzing eine Himmelreise. Mannohmann. Clemens Nachtmann machte hochinteressante Ausführungen, aber ich kämpfte gegen meine Müdigkeit. Nichtsdestotrotz folgte eine zwei Stunden lange Autofahrt kreuz und quer durch Wien, die von Fauchen, Kehrtwenden und häufigem kurzen Kontakt mit Einheimischen unterbrochen wurde. Wir saßen bei einem Freund, der uns ein Mahl zubereitet hatte und tranken mehrere Flaschen Rotwein. Auf dem Weg zur Pension in der Nähe vom Westbahnhof zischten Nutten mich an.

Der zweite Tag begann wieder mit Desorientierung. Nun ging es ja zum Institut Francais de Vienne in der Währinger Straße. Nebenan am Schottenpoint hatte ich erst an Neujahr genächtigt, was mich nicht davon abhielt, wieder zu suchen. Ich kann mir eigentlich immer alles merken, stelle aber doch immer wieder fest, daß ich eben leider unglaublich blöd bin. Die Sonne schien auf das zwischen Bäumen gelegene Institut. Die Esther-Marian-Lesung forderte gleich wieder Höchstkonzentration, nahm mich aber auch mit. Ich war über mich erstaunt, wie ich den ganzen Tag zuhörte, abgesehen von wenigen, ganz kurzen Abschalt-Momenten. Die Sonne schien intensiv auf die draußen Rauchenden. Zum Schluß Justus Wertmüllers ausgezeichnetes Referat und ein Vortrag von Robert Redeker, der leicht vom Konferenz-Thema wegging. Ein letztes Statement von ihm sorgte für leichte Irritationen. Mit Gerhard Scheits wunderschönem Stichel-Schlußwort im Ohr aß ich einen Falafel-Teller. Aber ich hörte weiterhin zu und war längst irgendwie und irgendwo abgehängt. Dabei saß ich doch mit anderen Müden zusammen. Einer von ihnen spielte mir auch einige Bälle zu, aber ich konnte kaum einen mehr annehmen. Nach einigen Bieren in der Blue Box verabvschiedete ich mich von Wenigen, mit denen ich wenig gesprochen hatte und lief etwas verstimmt wieder im Kreis. Als im Morgengrauen mich eine Prostituierte am Arm zerrte, wußte ich, daß ich fast am Ziel sein mußte.

Das Ereignis von heute morgen dagegen hab ich immernoch nicht richtig verarbeitet. Liege ich vielleicht immernoch irgendwo in Wien rum und schlafe?

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