Valkyrie

28 Dez

Ich habe mir den Film, der am Weihnachtstag hier in die Kinos kam, heute abend angeschaut.

Fragen wir mal so: Ist es moeglich die Kritik eines Filmes mit Tom Cruise zu schreiben ohne zunaechst darauf eingehen zu muessen, ob Cruise den Film ruiniert oder nicht? Das scheint mir naemlich bei den meisten seiner Filme in den letzten zwei Jahrzehnten Routine gewesen zu sein. Einen Anlass dafuer sehe ich nicht. Tom Cruise ist weder ein ueberragend guter Schauspieler noch ein sonderlich miserabler. Er besitzt weder besondere Ausdrucksstaerke noch zeigt er sich in irgendeiner Rolle hilflos. In guten wie in schlechten Filmen war er zu sehen. Aber mir faellt wirklich kein Film ein, der ernsthaft allein durch ihn missraten waere.

In Deutschland nun ist speziell dieser Film von vornherein der Laecherlichkeit preisgegeben. Denn der Film handelt von den Guten im Dritten Reich, kommt aber aus Hollywood. Das geht nicht. Der Hauptdarsteller ist Mitglied von Scientology und dies haette im vergangenen Jahr beinah dazu ausgereicht, den Produzenten die Drehgenehmigung am Bendlerblock zu verweigern. Denn Scientology ist boese (die Junge Union rief 1996 bereits aus diesem Grunde zum Boykott von Mission Impossible auf). Stauffenberg hingegen, den Cruise in diesem Film spielt, ist Repraesentant des „geheimen Deutschlands“, das von „diesem Hitler“, von dem es ins Verderben gefuehrt wurde, nie etwas hielt. Eine heilige Figur. Die laesst man sich nicht von inszenieren und erst recht nicht von einem Scientologen verkoerpern.

Aber lassen wir das. Der Film wird von britischen Akzenten dominiert. Ok, das liegt an den britischen Schausielern. Wie beispielsweise Bill Nighy, der General Friedrich Olbricht darstellt. Aber insgesamt wirkt das bei einer amerikanischen Produktion so, wolle man den Film irgendwie europaeisch aussehen lassen, was nun wirklich Stuss waere. Noch viel peinlicher aber ist, als Tom Cruise zu Beginn des Films als Stauffenberg den Brief an seine Frau zunaechst mit amerikanischem Akzent auf Deutsch verliest (der Ruf „Es lebe das heilige Deutschland“ bei der Erschiessung am Ende kommt wenigstens auf Englisch).

Fuer Ritter Mertz von Quirnheim hat man mit Christian Berkel einen Deutschen genommen und an der Grenze zur Wolfsschanze taucht nochmal ein bekannter deutscher Darsteller auf, aber ich bin jetzt zu faul zu recherchieren, wer das nochmal war. Sei’s drum, denn die machen ihre Sache gut.
Und nicht nur sie, sondern eben auch Tom Cruise. Manchmal ist er etwas uebereifrig und wirkt zu energiegeladen. Insgesamt aber trifft er den Charakter.

Es duerfte nun wirklich jeder (ja, auch in den USA) von vornherein wissen, wie die Geschichte ausgeht. Trotzdem ist der Film ueber den groessten Teil hochspannend. Die bis in alle Einzelheiten gezeigte Durchfuehrung des Attentats und der anschliessende Versuch, die Spitze des Systems zu entmachten, lassen den Zuschauer nicht los. Der Patriotismus der Maenner des 20. Juli wird nicht auf amerikanische Art verzogen oder auf kitschige Art dramatisiert, was mancher Deutsche ja vielleicht von Hollywood erwarten wuerde. Noch ist der Film mit Action ueberfrachtet. Er ist dicht und konzentriert auf das Wesentliche. Auch wird Stauffenberg eben keineswegs ueber das Mass hinaus zum Helden. Freilich blendet er vieles aus von dem, was in Stauffenbergs Kopf und bei einigen seiner Mitstreiter so herumspukte, aber welcher Film ueber Stauffenberg wuerde das nicht? Der stets ueberwerteten Offiziersrevolte 1944 wird „Valkyrie“ absolut gerecht.

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