Wie einen Lohnschreiber im Sommerloch in Schwulitäten bringen

24 Aug

Es kann sein, dass ich ein bißchen spät dran bin mit dem Thema. Vielleicht sollte ich dazu auch besser nichts schreiben. Denn es ist Sommerloch und außer einem spinnerten Kommentator und ein paar Übereifrigen bei queer.de haben die meisten den Fall ganz vernünftig behandelt. Bisher. Wozu also Staub aufwirbeln?

Aber ich hatte es erst im letzten Blogbeitrag mit (echter) Homophobie, also mache ich an der Stelle mal weiter. Worum geht es? Um unseren Torwart Roman Weidenfeller. Der hatte sich über Jogi Löw geärgert, weil der ihn abermals nicht für das Nationalteam nominiert hatte. Das hat ihn geärgert. Er meinte:

„Vielleicht sollte ich mir die Haare schneiden oder etwas zierlicher sein. Ich hatte dazu früher schon immer einen Spruch auf den Lippen, der sehr böse ist. Den verkneife ich mir jetzt lieber. Vielleicht gibt es ja bald in irgendwelchen Jugendcamps noch weitere junge Torhüter.“



Weidenfeller schießt gegen Löw, hieß es da zu zunächst. Aber manche Lohnschreiber haben Sommerloch und schreiben dazu erstmal einen engagierten Kommentar. Wider Homophobie im deutschen Fußball. So Christian Bartlau bei n-tv. So Dirk Leibfried bei queer.de.

Was die Aussagen von Weide mit Homophobie zu tun haben? Die kann man in die oben zitierten Sätze hinein-, aber gewiß nicht herausinterpretieren. Genauso gut könnte er gemeint haben, daß er als muskulöserer eher Langhaariger noch einer Fußballergeneration angehört, die heute irgendwie nicht mehr hipp ist. Aber die gelangweilten Journalisten und Blogger wollen einen Skandal und der geht so: Der Keeper der Meistermannschaft hält Löw für schwul und unterstellt ihm, nach Aussehen und nicht nach Leistung zu nominieren (warum spielen dann eigentlich soviele hässliche Bayern mit?).

Man stelle sich vor: Der bekennend schwule Löw hätte den seinerseits bekennend schwulen Weidenfeller abermals nicht nominiert und Roman hätte nun genau dasselbe gesagt. Wie wäre das interpretiert worden? Als schwules Gezanke, das im Fußball unangemessen ist? Anders gefragt: Welche – sarkastischen – Sprüche wären denkbar, mit denen Roman seinem Ärger hätte Luft machen können, die definitiv nicht als „homophob“ hätten gedeutet werden können?

Mag sogar sein, dass Weidenfeller tatsächlich Reißaus nimmt, wenn sich ihm Homosexuelle nähern; dazu kenne ich ihn zuwenig. Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß ist, dass wir Homophobie im Sport, die sehr wohl ein ernsthaftes Problem darstellt, mit erfundenen Skandalen nicht bekämpfen. Hier geht es um Fußball und Roman hat sich geärgert und das auf mehr oder wenig unglückliche Art kundgetan. Punkt.

Und was ich euch versichern kann: Borussia Dortmund hat unzählige schwule Fans. Auch Roman Weidenfeller hat viele schwule Fans. Und von denen dürfte sich niemand von Roman beleidigt fühlen.

Eine Antwort to “Wie einen Lohnschreiber im Sommerloch in Schwulitäten bringen”

  1. bianca Ziegler Oktober 10, 2014 um 2:02 pm #

    alos, auf einer PK des DFB hat ei Spieler auf die Frage og er den neuen Traine Duze oder nicht geantwortet“Ich moechte nicht in Schwulitaeten geraten….ich sage Trainer…“ Ich find das homophob. Der DFB meinte das waere gar nicht homophob den in Schwulitaten geraten heisst laut Duden, in Schwiereigkeiten geraten etc…so ein humbug.

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