„Da kommen die Borussen“

18 Sep

Marc Mauricius Quambusch hat auf seinem legendären Blog Hamburg Schwarz-Gelb, den er leider vor drei Monaten eingestellt hat, mehrfach geschrieben, das Ruhrgebiet ticke fußballtechnisch ganz anders als der Rest Deutschlands. Dort interessierten sich auch diejenigen für Fußball, die sich gar nicht für Fußball interessieren. Der ein oder andere wissen zwar vielleicht nicht, wer Zidan ist und kenne freilich auch die Aufstellung nicht, aber die jeweiligen Ergebnisse wolle er stets wissen.

Das stimmt. Als ich nach dem Spiel gegen Nürnberg vor vier Wochen durch die Stadt spazierte, wurde ich gleich von mehren älteren Damen gefragt: „Entschuldigen sie, wie hat Borussia gespielt?“ Und dieses lächeln in ihrem Gesicht, als ich „2:0 gewonnen“  antwortete. Meine Oma, die mit Ausnahme der letzten beiden Weltkriegsjahre ihr ganzes Leben in Dortmund verbrachte und ganz stolz darauf war, in der Balkenstraße geboren worden zu sein, hatte mit Fußball nicht allzu viel am hut. „Da kommen die Borussen“ hieß soviel wie „da kommen die Prollos“. Aber als ihr Enkel dann bei der WM 1982 seine ersten Fußballbildchen sammelte und bei ihr auf die Schränke klebte, hielt sie das für einen ganz normalen Vorgang. Na ja, und bei den Meisterschaften 1995 und 1996 war auch sie eben ganz stolz. Der Verein ist nun mal das Aushängeschild und Wahrzeichen der Stadt, die Institution schlechthin. Und wir alle wissen schließlich auch, nicht aus der hässlichsten Stadt im Revier zu sein und zu diesem furchtbaren und diesem furchtbaren Verein dort anzuhängen, d.h. nie so tief zu sinken, wie die Leute dort. Das beruhigt ganz ungemein, egal welches Tief man im eigenen Leben gerade hat.

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