Präsidentschaftswahlen 2012 – who cares?

8 Okt

So langsam wäre es an der Zeit, daß ich mich mit den kommenden Präsidentschaftswahlen beschäftige. Immerhin waren die Wahlen 2008 das Hauptthema dieses Blogs in dessen ersten Monaten. Die Wahlen 2012 sind in weniger als 13 Monaten und die ersten Primaries stehen quasi vor der Tür. Unmittelbar nach Neujahr werden die Republikaner über ihre Kandidaten abstimmen. Aber mir fehlt die Begeisterung.

Dabei interessierten mich US-Wahlen doch immer brennend. die erste, die ich halbwegs bewußt mitbekam, waren die Präsidentschaftswahlen 1988. Ich war in dem Bewußtsein aufgewachsen, daß der Präsident der USA, also des Landes aus dem ich irgendwie kam, Ronald Reagan hieß. Bis das dann eben nicht mehr der Fall war. Bush gewann gegen Dukakis (wenn man sich die Debatten von damals heute anschaut, stellt man übrigens fest, daß das Niveau damals auch nicht höher war als heute) und ich meinte damals nur zu wissen, daß das nicht unbedingt das Schlechteste war. 1992 dann – ich weiß nicht wieso – zog ich mir alles rein, was ich zu dem Thema finden konnte. Kurz vor den Wahlen war ich noch bei meinem Dad und mit ihm zusammen bei meinem Onkel in Seattle. Die Wahlnacht machte ich vor dem Fernseher durch, obwohl natürlich am nächsten Tag Schule war. „Bischt zufriede?“ fragte man mich dort. Ich wußte es nicht. Dann folgten die Jahre der Politisierung und ei gutes Verhältnis zu Clinton hatte ich nie. Zunächst war er der Präsident eines imperialistischen Schweinesystems und für mich als 15-jährigen RAF-Sympathisanten war die ganze welt eine einzige Unterdrückungs- und Kriegsmaschinerie. Aber es dauerte nicht lange, da sah ich das alles mit ganz anderen Aguen. Clinton war plötzlich eine abgehoben und verlogen regierende Witzfigur, die den Interessen der USA schadete, wo es nur ging. Bei den Wahlen 1996 durfte ich mitwählen und ich kaum einer in meiner Umgebung konnte meine begeisterung irgendwie verstehen. Schließlich ging es den Amerikanern doch so gut. Der Wahlkampf inhaltlich ja auch zum Einschlafen. Dole hatte gegen Clinton keine Chance, aber ich ließ es mir nicht nehmen, in der Schule eifrig gegen den Präsidenten zu wettern und hielt im Leistungskurs Englisch auch ein Referat zu den Wahlen.

Vier Jahre später war sich das Land uneins, wen es ins Weiße Haus schicken solle. Bei Wieland Backes im Nachtcafé saß ein Wahrsager, der vorhersagte, der nächste Präsident der USA werde George W. Bush sein, da könnten die Zuschauer sich drauf verlassen, und es seien ja genug Kameras hier, die seine Aussage festhielten. Auch die Frau meines Vaters meinte: „He´s gonna be the next President.“ Mir wäre McCain ja lieber gewesen, aber wenn alle von vornherein wußten, daß Bush sich erst bei den Vorwahlen und dann bei den wahlen durchsetzen würde, konnte ich dem gelassen entgegensehen. So kam es dann aller Wirren zum Trotz auch. Endlich war dieser Clinton weg. Der 11. September 2001 folgte und mit ihm die Zeitenwende. Bis zu den Wahlen 2004 entwickelte ich mich zu einem derart fanatischen Bush-Anhänger, daß mir nicht ganz wohl ist, wenn ich heute zurückschaue. Immerhin war ich schon 26. Ich lag mit meinem Standpunkt zwar nicht vollkommen verkehrt, aber die Art und Weise, wie ich damals für den Präsidenten trommelte, war töricht. Das waren die Bush-Hasser um mich herum freilich auch, was die Sache aber nicht besser macht. Hurricane Katrina, die besonders blutigen Jahre im Irak und schließlich die Wirtschafts- und Finanzkrise brachten die Ernüchterung. 2008 stimmte ich schließlich schweren Herzens erstmals nicht für einen Republikaner, weil ich dachte, daß dieser alle Welt inspirierende Obama zumindest den Amerikanern Selbstvertrauen und den Glauben ans eigene Land zurückgeben könne. Was wieder etwas töricht war.

Derzeit sehen 70 Prozent der Amerikaner das Land vor der nächsten Rezession. Obama trat an, um die Spaltung des Landes zu überwinden. Das Land ist heute gespaltener denn je. Die Amerikaner verlieren weiter täglich an Selbstbewußtsein, das Land ist finanziell ausgeblutet, die Wirtschaft erstmal am Ende. Daran werden auch die Wahlen 2012 nichts ändern. Sicher werde ich mich in den kommenden Wochen und Monaten dem Thema widmen, denn zu den deutschen Propagandamedien von SPON bis zu den Tagesthemen muß es schließlich eine Gegenöffentlichkeit geben. Und dafür sind Weblogs schließlich da. Aber vom Hocker reißt mich das Thema nicht mehr. Die Wahl 2012 wird eine Depressionswahl sein. Die GOP wird vermutlich Mitt Romney nominieren. Denn Perrys Stern sinkt bereits und Romney war 2008 die Nummer zwei hinter mcCain, der seinerseits die Nummer zwei hinter Bush gewesen war. Romney ist also dran. Nicht sicher, aber sehr wahrscheinlich. Sei´s drum.

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