Leben wieder erlaubt – Heidegger-City und das Ende eines Alptraums

22 Dez

Der Alptraum endete am Morgen nach dem Kaiserslautern-Spiel. Ich hatte an dem Wochenende, den letzten Tagen meiner Angst, mich mit einem guten Freund am Samstagabend am Dortmunder Hauptbahnhof getroffen. Einem ruhigen und doch sehr angespannten Abend im Getümel auf dem Alten Markt folgte ein langer Morgen mit den ersten FCK-Fans, die wir im U trafen. Diese seltsame und bedrückte Vorfreude auf ein Spiel, zu dem längst alles gesagt ist. Noch waren die Verletzten längst nicht alle verletzt.  Mario Götze, der seit dem Spiel gegen Arsenal am Zahnfleisch ging, verletzte sich nun richtig. Er hätte gescheiterweise drei Wochen ganz ausgesetzt.

In Freiburg dann war ich befreit von der Last und dem ganzen Streß. „Freiburg, wir hören nichts“ tönte es auf dem Weihnachtsmarkt in Heidegger-City. Freudige Augen blickten mich im Biergarten am Badenova-Stadion an: „Unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz, oder?“ Wir standen mit viel zu viel Leuten in einer Reihe, sangen alte klassiker und umarmten uns wie wild geworden bei dem schönen 3:1 durch Kevin Großkreutz. Ob es regnet oder schneit…

Am Freiburger Hauptbahnhof brauchte ich Bier. Ich saß lange an der Theke und schaute und dem Kellner beim endlos langsamen Aufbereiten von Kaffee zu. Nicht im Traum dachte er daran, mich zu fragen, was ich möchte. Hinten am anderen Ende blieb einer nicht so still und tönte: „Meister, willste auch was verkaufen?“ Und ich erkannte ihn; es war MauriciusQ. Er ging zornig. Ich hatte unmittelbar vorher, hauptsächlich durch Glück, doch noch ein großes Bier bekommen.

Einen BVB-Fan aus Worms traf ich wieder am Gleis. „Fahre sie öfter auswärts? Gibts eigentlisch bei uns en Fanclub in de Näh?“ Im ICE dann BVB-Fans aus Kassel vor mir. Der eine rief bei einem Lieferservice in Mannheim an: „Ich hätte gern ein Schinken-Gyros. Das ist Schinken mit Gyros drauf. Kennen Sie das nicht? Das schmeckt voll gut. Ab wieviel Euro liefert ihr? Ja, das klingt vielleicht komisch, aber wir bräuchten das an den Banhof geliefert. Weil ich bin gerade im Zug und in Mannheim haben wir neun Minuten Aufenthalt.“

Weder hatte ich MauriciusQ angesprochen noch mit dem BVB-Fan aus Worms Kontaktdaten getauscht. Ich ärgerte mich über mich selbst maßlos. Die Nacht endete in Mannheim für mich erneut im Fiasko. Aber kein Alptraum folgte.  Ich bin wiederhergestellt. Leben ist mir wieder erlaubt.

Mit dem Pokalspiel in Düsseldorf endete dieses fußballtechnisch wunderschöne Meisterjahr 2011. Roman Weidenfeller, Mats Hummels und Kevin Großkreutz ,aber auch alle anderen haben uns mit ihrem Großkampfeinsatz nochmal so richtig unter Beweis gestellt, was für ein Traumteam wir da haben. Ich würde mich gern den ganzen Tag über bei ihnen bedanken. So ein Jahr kommt so schnell nicht wieder.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: