Saufen macht nicht kreativ

23 Dez

„Dummheit frißt, Intelligenz säuft“ ist so ein Spruch, der sich einem in der frühen Jugend ins Gedächtnis grub. Wer ordentlich einen heben kann, ist schlau. Mag ganz banal sein,den Wahrheitsgehalt dieser Weisheit zu bestreiten, aber es ist doch beachtlich, wie weit verbreitet die Vorstellung vom saufenden Intellektuellen immernoch ist.

Christopher Hitchens, der vor einer Woche seinem Krebsleiden erlag, ist ein Beispiel ist trinkenden und qualmenden großartigen Essayisten, der vielen ein Vorbild war und ist. Katha Pollitt weist auf einen wichtigen Punkt hin:

Drinking didn’t make him a better writer either—that’s another myth. Christopher was such a practiced hand, with a style that was so patented, so integrally an expression of his personality, he was so sure he was right about whatever the subject, he could meet his deadlines even when he was totally sozzled.

Hitchens trank mit Vorliebe Johnny Walker Black und irgendwo hat er mal gesagt, was er an einem Tag trinke reiche aus, einen Esel umzubringen. Aber selbstverständlich war Hitchens nicht einer der besten Essayisten englischer sprache, weil er soff, sondern trotz Alkohol. So selbstverständlich das auch sein mag, so sehr hat sich eben doch die aus der Romantik stammende Annahme festgesetzt, daß gerade ein guter Autor an der Flasche hängen müsse. Der Künstler muß leiden, an der Welt verzweifeln, rauchen, Drogen und Alkohol einwerfen bis zum Äußersten. Das ist einer der Mythen, mit denen beispielsweise Simon Borowiak, Autor des Buches ALK, schon vor Jahren aufgeräumt hat. Alkohol hat noch niemanden kreativ gemacht. Aber ich möchte nicht wissen, wieviele junge Leute, die sich als Autoren versuchen, genau das denken. Und Leuten wie Hitchens nicht nur schreiberisch nacheifern.

Rauchen gehört auch immernoch dazu. Für einen längeren Artikel braucht ein guter Autor miindestens zehn Zigaretten. Die Zigarette macht auch heute noch den Habitus des intellektuellen und dich so intelligent wie die Hornbrille. Natürlich Unsinn? Eben.

Und schaut euch die besten Stilisten deutscher sprache an. Hermann L. Gremliza zum Beispiel, der zwar gerne guten Wein trinkt, aber ganz sicher vollkommen nüchtern ist, wenn er seine wunderbaren Kolumnen schreibt. Don´t drink and write.

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