Auch das Meisterjahr endet ohne Silvesterlauf

31 Dez

Eben noch sah ich im Morgengrauen an der Haltestelle Daniel beim Schlafen zu. Wir stiegen in irgendeine Bahn und fuhren durch Wien – er schlief weiter. Und später setzte er seinen Schlaf bei Starbucks in der Nähe vom Stephansplatz fort. Das war am Neujahrsmorgen 2011. Am 2. Januar fuhr ich zurück nach Mannheim und wurde in Würzburg wegen Überfüllung des Zuges aus dem ICE geschmissen – obwohl ich bis Frankfurt reserviert hatte.

Und das soll es schon wieder gewesen sein? Das Meisterjahr 2011 („mach mich hoch, mach mich hoch; 1:0 für Köln!“)? Das Jahr, in dem wir zweimal in München gewannen. Das Jahr der arabischen Revolutionen und der Rückkehr der Angst vorm Atomtod. Es war ein total beklopptes Jahr für mich. Mit einem neuen Job, der super läuft und in dem ich mich wohl fühle. Aber auch ein Jahr mit einem Alptraum, enormen Verlusten und einem halben Jahr ohne Lauftraining. Ohne Marathon.

An Silvester nehme ich seit acht Jahren immer am Silvesterlauf in Schifferstadt teil. Der wurde letztes Jahr witterungsbedingt abgesagt und ich fuhr nach Wien. Dieses Jahr wird es nichts, weil ich erst in dieser Woche wieder mit dem Laufen angefangen habe und der Fuß auch noch nicht wirklich wieder intakt ist. Dabei ist dieser 10-km-Lauf durch den Wald in der Nähe von Speyer eine wunderbare Nachmittagsbeschäftigung für Silvester. Einmal noch im alten Jahr was leisten und dann das Jahr gemütlich ausklingen lassen. Wobei ich die Rede vieler Läufer schwachsinnig finde, die da meinen, man könne so „guten Gewissens“ feiern. Feiern geht ja nur mit Leistung. Quatsch. so lange wir leben, haben wir auch was zu feiern.

Das klingt jetzt vielleicht nach stinklangweiliger Kirchenpredigt, aber ich muß nach den Erfahrungen dieses Jahres doch mal sagen, daß wir unsere Gesundheit, das „normale Leben“ viel zu wenig zu schätzen wissen. Krankheit und Tod, Drama, Angst und Trauer gehören natürlich zu eben diesem „normalen Leben.“ Aber wir sind uns viel zu wenig bewußt, wie schnell sich die Dinge ändern können. Immer könnte alles auch ganz anders sein. Und wie belanglos die meisten unserer Álltagsprobleme sind, sehen wir naturgemäß erst, wenn es knüppelhart kommt.

Ich habe die besten Eltern und die besten Freunde, die man sich nur wünschen kann. Und ich bin BVB-Fan und wir haben gerade die Zeit von Jürgen Klopp. Mats Hummels oder Mario Götze beim Spielen zusehen zu dürfen, Pils zu trinken, Philip Roth zu lesen, das sind die Freuden, für die ich dankbar bin. Und wer weiß, was 2012 bereit hält. Denkt dran, wir werden immer zweimal in Folge Meister und dann nochmal sechs Jahre später…kommt gut rüber ins neue Jahr!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: