„Lob der Kulturindustrie“ – Ein Abend in Frankfurt

10 Jul

Mit dem Vortrag von Jan Gerber endete die Reihe „Kunst und Kritik“ der Prozionistischen Linken. Da sind wir auch schon mitten im Thema. Zu Beginn seines Vortrags zählte Jan Gerber einige linke beziehungsweise linksradikale Veranstaltungen auf, beginnend mit der Wiener Konferenz zu Autonomie und Engagement bei Sartre und Adorno Anfang Oktober letzten Jahres, die nun in Kunst machten. Man sei schon verblüfft, wenn einen der Freund, der einen gerade noch ins Punkrockkonzert schleppte, nun mit in die Oper schleifen wolle. Hatten die, die noch aus den Neunzigern stammten, noch Politikwissenschaft studiert, waren es spätestens nach dem 11. September dann Hebräischkenntnisse und der Israel-Aufenthalt, die die Identitätsbedürfnisse des guten Linken prägten. Heute mache man in Kunst. Kunst hatte mal den Anspruch, mit der Strahlkraft des Guten, Wahren, Schönen den Menschen zu ergreifen. Diesen Anspruch hat sie nicht mehr. Und kein Kunstwerk, das den histoischen Bruch von 1945 reflektierte. Wer zeitgenössische Ausstellungen besuche oder heute ins Theater gehe, müsse immer mit dem Schlimmsten rechnen. Dagegen habe die Kulturindustrie immernoch den Anspruch, den Menschen zu unterhalten, wenngleich sie diesem Anspruch nicht gerecht werde. Dennoch sei jede Folge von „Verbotene Liebe“, erst recht die Produkte der amerikansichen Kulturindustrie den Inszenierungen von Claus Peymann oder den Werken von Daniel Kehlmann und Günter Grass vorzuziehen.

Soviel zum Vortrag, der auf 20 Uhr angesetzt war. Zu diesem Zeitpunkt waren im Café Kurzschlusz auf dem Gelände der FH Frankfurt allerdings nicht mal die Stühle zurechtgerückt. Irgendwann nach 20.30 Uhr ging es dann mal los. Ein Herr mit heiserer Stimme schrie unablässig vor sich hin, um die jungen Menschen, die zuhören wollten, reinzubitten. Ab und zu bellte mal aus dem hinteren Eck laut ein Hund. Eine ältere Dame wollte sich in der Diskussionsrunde mit dem Gesagten nicht so ganz zufrieden geben. Sie hielt sich nach ihrem zweiten Beitrag aber selbst die Hand vor den Mund, obwohl sie so furchtbar viel gar nicht gesagt hatte. Ein junger Mann wollte wissen, ob dieses „Lob der Kulturindustrie“ sich wirklich darauf beschränke, daß diese wenigstens noch den Anspruch habe zu unterhalten. Ja.

Demnächstwird es in Frankfurt Aktionen gegen die Verleihung des Adorno-Preises an Judith Butler geben. Und ich überlege, ob ich nicht die Tage wieder nach Frankfurt fahre, um mir die Jeff Koons Ausstellung in der Schirn anzuschauen. Die (mäßige) Motivation dazu kann ich euch auch nicht erklären.

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