Geh nicht ans Phone – Borussia spielt

16 Sep

Kurz nach Beginn der Spielzeit bimmelte mein Handy. Es würde wohl wieder einer der Kumpel sein, die nicht kapieren, daß man mich am Samstagnachmittag ab einer bestimmten Uhrzeit nicht stören kann.

Ich blieb vor dem Bildschirm liegen und sah es im Westfalenstadion nur so schmelzern. Im Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen nahm die Borussia von vornherein das Heft die Hand und Marco Reus Platz auf der Bank. Eigentlich überraschend, eigentlich auch wieder nicht. Mario Götze stand jedenfalls in der Startelf und bewies dem Trainer und den Fans, was sie doch auch schon wußten: Daß er längst wieder bei 100 Prozent ist.  In der Halbzeit spielte Borussia Dortmund auf, wie seit mehr als vier Monaten nicht mehr. Nach einer von Bayer geschenkten Schmelle-Ecke kam Mats Hummers in der 29. Minute bereits am dritten Spieltag bereits zu seinem ersten Saisontor. Sagte ich Schmelle? Ja, Marcel Schmelzer zeigte allen, was ne Harke ist. In schwarzgelb spielt es sich aber doch auch einfach besser. Ich wäre im deutschen Nationaltrikot gewiß auch unter meinen (bescheidenen) Möglichkeiten.

Zehn Minuten nach dem ersten Tor kam Piszczek über rechts nach vorne, flankte in die Mitte, Götze ließ ihn durch und von Kuba machte das Ding. KUBA. Der vor zwei Wochen in Nürnberg zum Ausgleich getroffen hatte. Aber mit nürnberg war dieses Heimspiel in keiner Weise zu vergleichen. Die Elf von Bayer 04 stand im Regen. Bekam sie den Ball, war sie ihn rasch dank Fahlpass wieder los. Auch Borussia spielte, vor allem in der zweiten Halbzeit, alles andere fehlerfrei, konnte aber die Dominanz aufrechterhalten, und gleichzeitig ein Regenerationsspiel draus machen. Um die 60. Minute kam Reus gegen (den wieder besseren) Großkreutz. Marco schoß in der 78. Minute einen Freistoß so nach vorne, wie man es von ihm kennt, auf Lewandowski, der einnetzte. Zum 3:0. Man sah noch zweimal knapp ein viertes Tor vor Augen, vor allem kurz vor Schluß, als der eingewechselte Ivan Perisic den Ball an die Latte knallte. Der Ball platschte auf die Torlinie, aber eben nicht dahinter, so daß es beim 3:0 blieb. Es blie drei Tag vor Eröffnung der Champions League die Leistung einer Dortmunder Mannschaft, an die sie gerne anknüpfen darf.

In der Halbzeitpause hatte ich herausgefunden, daß mich kein nerviger Kumpel, sondern eine Mannheimer Rossmann-Filiale angerufen hatte. Rossmann? Da war ich ewig nicht. Meiner Mutter, die ich eine Stunde vor Spielbeginn verabschiedet hatte, mußte etwas passiert sein. Ich erreichte sie weder zuhause noch auf dem Handy. Das Spiel war vorbei. Nach dem dritten Versuch erreichte ich sie doch. Sie sei im Theresienkrankenhaus, ich solle mir keinen Kopf machen, sie rufe mich gleich wieder an. Ach du Himmel. Ich wartete auf ihren Rückruf und sah derweil die Zusammenfassungen vom Spiel des FC Bayern gegen Mainz 05 und von einem verrückten Spiel zwischen Hannover 96 und Werder Bremen mit einer am Ende übrigens vollkommen korrekten Schiedsrichterentscheidung. Hannover scheint inzwischen derart heimstark zu sein – ich will gar nicht an den 7. Oktober denken. Aber ich denke an meiner Mutter. Die ruft schließlich doch noch an und ich eile direkt ins Krankenhaus auf die Intensivstation. Nichts Schlimmes, aber auch kein schöner Samstagabend. Und auf das Handy höre ich in Zukunft.

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