45 Tage Veganer

19 Apr

Es ist die Nacht auf Ostersonntag, die Fastenzeit endet – und damit nach 45 Tagen auch mein veganes Experiment. Eins vorweg: es ist nichts für mich. Also mein Leben lang strikt auf Tierprodukte zu verzichten. Allerdings hat sich mein Horizont in diesen sechseinhalb Wochen beträchtlich erweitert, bin ich im Umgang mit meiner Ernährung sensibler geworden.

Auf die Idee, mich vegan zu ernähren kam ich Ende letzten Jahres. Inspiriert hatten mich der Fitnessberater Karl Ess, Freunde, die ihre Ernährung auf avap umgestellt haben sowie die allgemeine Tatsache, dass vegan seit ein paar Jahren doch wieder ganz schön trendy zu sein scheint. Ich wollte mal herausfinden, ob mir das überhaupt gelingt. Also ob ich imstande bin, soviel Kreativität aufzubringen, mich ausgewogen vegan zu ernähren und trotzdem alle erforderliche Makro- und Mikronährstoffe und ausreichend Kalorien aufzunehmen. Und wie das immer so ist mit Experimenten: ich wollte wissen, ob sich irgendwas an mir verändert.

Die tägliche Mittagspause stellte sich schon mal als große Herausforderung da. Obgleich im unmittelbaren Umfeld meiner Agentur zahlreiche Essgelegenheiten sind,  ist die Auswahl veganer Gerichte doch sehr begrenzt. Jede Woche nahm ich mir vor, mir zuhause was vorzubereiten und mitzunehmen; gemacht habe ich es kein einziges Mal. So wechselte ich hauptsächlich zwischen einem Gemüse-Döner ohne Soße und einem großen gemischten Salat ohne Schafskäse ab. Also man kann ganz nicht gerade sagen, dass ich hier Kreativität bewiesen habe.

Ganz anders stellte sich die Lage abends da. Doch auch war nicht ich es, der sich ständig was einfallen ließ. Sondern meine Mutter, die mich in dieser Zeit stark unterstützte. Ehrgeizig wie sie nun mal ist, legte sie sich gleich drei vegane Kochbücher zu, unter anderem das recht bekannte Vegan for Fit von Attila Hildmann sowie 100% Pflanzlich von Dr. Oetker. Ich aß zwei bis dreimal die Woche bei meiner Mutter, die wirklich alles mögliche ausprobierte. Sie hat mich davon überzeugt, dass vegan richtig lecker sein kann.

Außerdem gibt es in Mannheim einige vegetarische und auch rein vegane Restaurants, in denen ich abends und am Wochenende häufiger verkehrte. Deren Köche konnten das zwar nicht so gut wie meine Ma, aber immerhin. Doch schwierig wurde es zum Beispiel beim Fußball. Wer isst im Stadion vegan und wie? Bei dem Spiel gegen Gladbach am 15. März aß ich auf dem Weg zum Stadion noch einen Feldsalat und beschränkte mich im Anschluß für den Rest des Abends auf Bier und eine Portion Pommes. Bier ist überhaupt herrlich vegan. Ging also auch.

Ihr werdet es mir nicht glauben, aber ich habe auch selbst gekocht. Was ich vor allem mir ein paar mal gemacht habe, ist eine Quinoa-Hirse-Pfanne mit Mango. Unbedingt in Kokosfett braten! Sehr zu empfehlen.

Gesündigt habe ich lediglich ein einziges mal, als ich morgens ein Honigbrötchen gegessen habe. Na ja gut, und ein anderes mal hatte ich beim Kaffeetrinken mit den Kollegen ohne Nachzudenken den mitgelieferten Butterkeks gegessen. Aber das war es dann auch. Ich denke, das kann ich mir verzeihen. Sonst habe ich nix gegessen, was Eltern hat. Und nix, was davon irgendwie herkommt. Dabei habe ich festgestellt, dass Haferflocken beispielsweise in Sojamilch viel besser schmecken als in Kuhmilch. Klar, Sojamilch würde ich nicht in den Kaffee schütten, aber den trinke ich eh schwarz. Vegane Käsespätzle schmecken im Grunde genauso wie „echte“. Vegane Schokolade, jedenfalls die, die ich getestet habe, war teilweise zwar ganz gut essbar, braucht man aber jetzt nicht unbedingt. Seitanbraten mit Merettichsoße schmeckt vorzüglich, Seitanwürstchen schmecken genauso wie ganz „normale“ Würste. Wobei sich eben schon die Frage stellt, ob man als Veganer diesen „Fleischersatz“ denn unbedingt braucht. Na ja, und dann könnte ich jetzt ewig weitermachen, mit Zucchini-Nudeln, undsoweiter und so fort. Leute, glaubt res mir: da entdeckt man ständig eine neue Welt.

Künftig will ich jedenfalls meinen Fleischkonsum einschränken, ganz verzichten darauf will ich nicht. Auf Milchprodukte oder Wurst will ich erst recht nicht verzichten und schon gar nicht auf Honig. Ich mag einfach solche Einschränkungen nicht und alle Jubeljahre brauche ich einfach mal ein saftiges Hormonsteak. oder ne Stadionwurst. Trotzdem werde ich jetzt häufiger auch den Speisen greifen, die ich neu kennengelernt habe, und mich Sachen veganer Küche weiterbilden. Gerade auch in meiner eigenen Küche – ohne mütterlichen Beistand. Das Experiment ist gelungen. Einen Osterschinken, wie ihn jetzt manche Katholiken nach dem Besuch der Messe mampfen, esse ich heute Nacht nicht mehr. Dafür gibt es morgen früh erst mal Rühr- oder Spiegelei.

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