Starbatty in Mannheim: „Mario Draghi das Handwerk legen“

24 Apr

Gestern Abend bei der AfD Mannheim. Vortragsveranstaltung mit Professor Starbatty im Festsaal der Jüdischen Gemeinde: „Die Zukunft Europas“. Moritz, den ich drei Jahre nicht gesehen habe, begrüßt mich. Einer Mitschüler von ihm sitzt neben ihm. Der Kreisvorsitzende Will begrüßt die Anwesenden im zu gut achtzig Prozent gefüllten Saal. Er nennt schnell, schließlich wolle er ja die Fußballgucker nicht vom Fußball abhalten, noch zwei zentrale kommunalpolitische Forderungen der AfD. In jedem Stadtteil Mannheims solle ein Kindergarten von 7 Uhr bis 20 Uhr geöffnet haben. Das sei wichtig wegen der Frauen, die arbeiten wollen, und die einzige Forderung, die ein bißchen was kosten werde. Sonst schlügen sie zahlreiche Möglichkeiten vor, wie man Geld sparen können. Dann nennt er noch eine Forderung – irgendwas solle vor die Kunsthalle, ich hab nicht richtig zugehört. Der Herr Professor betritt das Podest.

Starbatty beginnt mit der Unterscheidung Max Webers zwischen Politikern, die von der Politik leben, und Politikern, die für die Politik leben. Für den ersten Typus sei Pofalla ein Beispiel. Die einzige Qualifikation, die er habe, um bei der Deutschen Bahn zu arbeiten, sei die, dass er schon mal bahngefahren sei. Ihn jedenfalls, Starbatty, freue es, bei der Jüdischen Gemeinde sprechen zu dürfen, denn er werde über Wunder reden. Wir hätten ja gerade ein nachösterliches (!) Wunder erlebt: die Wiederauferstehung Griechenlands. Da fühle er sich gleich an die frisierten Zahlen aus dem Jahr 2000 erinnert gefühlt, als die Griechen sich für den Beitritt in die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion für reif erklärten. Da die No-Bailout-Klausel verletzt wurde, sei die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion keine Rechtsgemeinschaft, sondern eine politische Hauruckgesellschaft. Jens Weidmann tue ihm leid, denn der stehen völlig alleine da. Mario Draghi müsse das Handwerk gelegt werden. Trotz allem hält Starbatty den Vortrag lange durch ohne in einen Hurrapatriotismus zu verfallen. Doch spätestens in der Diskussionsrunde ist es damit vorbei. Was gegen die Wiedereinführung der Deutschen Mark spreche, möchte ein Zuhörer wissen. Das sei doch ganz  klar, sagt Starbatty. Dann werde alle Welt die Schuld den Deutschen geben. Die Deutschen, die den ersten Weltkrieg angefangen hätten – das werde ja derzeit relativiert, den Zweiten Weltkrieg angefangen hätten, seien auch jetzt wieder für die Zerstörung Europas verantwortlich. „Uns“ bleibe nur auf den Ausstieg der Franzosen zu warten, dann könne man sich „dahinterschmuggeln“. Als Will für den ihm für die Mühen dankt, die er sich mache, um den Nebel, den Merkel und ihre sozialdemokratische Regierung verbreiteten, zu lichten, widerspricht ihm Starbatty: das seien keine Mühen, das bereite ihm Freude.

Starbatty begegnet mir seit Jahren an den verschiedensten Stellen immer wieder. Nur ein Beispiel: Philip Plickert, den ich 1998 (als Abiturient) kennenlernte, hat ihn bei  ihm promoviert – heute ist er Wirtschaftsredakteur der FAZ. Starbatty ist sehr sympathisch wie seine alten Mitstreiter Karl Albrecht Schachtschneider und der Anfang dieses Jahres verstorbene Wilhelm Hankel ja auch. Und das obwohl er unglaublich Arrogantes von sich gibt. „Seehr verehrte Frau von der Leyen! Auch als Ärztin muss man über ein Mindestmaß an Logik verfügen“ sagt er an einer Stelle. Der Satz könnte genauso vom notorisch unsympathischen Hans Werner Sinn kommen. Aber Starbatty kann man solche Sprüche nicht übelnehmen. Er ist der liebe (und weise) Onkel.

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