Unter Druck – Halbmarathon Heidelberg 2016

25 Apr

„Läufsch heut lang oder kurz?“ fragte der ein oder andere seinen Laufkumpanen. Kalt war es gworden an diesem letzten Sonntag im April. An diesem Tag, wenn der Frühling übers Land zieht und einen die Lust ergreift, dem Roß die Sporen zu geben, um ins Neckartal zu reiten, tapsen in kurzen Schritten ein paar tausend Läufer alljährlich hoch zum Philosophenweg. So lässt sich früh in die Saison starten.

Früh? Dass ich nicht lache. Ende April hatte ich schon mal einen ganzen Marathon hinter mir. Aber 2014 und 2015 hatte ich die erste Jahreshälfte jeweils verschlafen. Was vielleicht auch einen Teil meines Dilemmas erklärt. Dazu später mehr. Dieses Jahr jedenfalls wollte ich mir möglichst früh ein erstes Etappenziel setzen, um schon vor Zeitumstellung und Frühlingsluft meine Kilometer zu laufen und eine Grundlage für den weiteren Jahresverlauf zu setzen. Anfang März gelang es mir bei einem Geburtstagsumtrunk meinen Arbeitskollegen und Freund Fabian zu einer Teilnahme bei SAS Halbmarathon in Heidelberg zu bewegen. Fabian kommt vom Radrennsport her und hat wenig Lauferfahrung, dafür der anaeroben Kapazitäten reichlich. Mit so jemandem auf Augenhöhe eine anspruchsvolle Strecke zu bewältigen, sollte Motivation genug sein.

Gut sieben Wochen später war nun jener kühle Sonntagmorgen da. Nach Teilnahmen in den Jahren 2004, 2005 und 2007 der vierte Start. Nach langer Abstinenz – zu meiner Zeit gab es noch keine Chip-Zeitmessung in Heidelberg – dafür lief Patrick Klein (TV Rheinau) die Strecke gleich schnell Auch am Streckenverlauf hat sich rein gar nichts verändert.

Wir starteten mit gelben Startnummern zu Beginn des zweiten Blocks. Und dementsprechend mit ordentlich Schwung. 4:10 min auf den ersten Kilometer, das ist auf Halbmarathon mal ne Ansage. Ich versuchte das Tempo leicht zu reduzieren, blieb is es bei Kilometer 7 zum Philophenweg raufging aber deutlich unterm Fünferschnitt. Aber nach dem Anstieg merkte ich, wie der Magen rumorte. Im Wald fiel mir auf, dass ich nun wirklich nicht mehr „schnell“ war und traute mich kaum, auf die Uhr zu schauen. Und ich bekam einen leichten Drang zu spüren. In die Büsche springen? Aber dann wäre die Zeit dahin.

Das war sie bald ohnehin, denn ich kam aus der Konzentration raus. Nach dem fiesen Anstieg nach Ziegelhausen, der mich anno 2004 aus der Spurgehauen hatte, dann richtige Magenkrämpfe. Es hörte nicht wirklich auf. Hinter Kilometer 15 auf der anderen Neckarseite bekam ich richtig Panik. Hier könnte ich nicht so einfach irgendwo reinspringen. Den Schloss-Wolfsbrunnenweg hinauf hatte ich wieder und wieder das Gefühl, jeden Moment in die Hose zu machen. Deshalb konnte ich auch den Schwung aus der Abwärtsbewegung hinter Kilometer 19 nicht richtig mitnehmen. Einfach nur noch „sauber“ ins Ziel kommen. Ein Blick auf die Uhr wagte ich wieder: unter zwei Stunden wäre immerhin sicher.

Mit 01:57:03 h hatte ich das Rennen absolviert. Der Magen hatte sich gerade mal wieder beruhigt, wenn ich allerdings doch sehr bald die Toilette aufsuchte. Fabian dehnte sich vor der Neuen Universität mit stolzen 01:41 h auf dem Tacho. Das hätte ich ihm zwar jederzeit zugetraut, aber dennoch so bemerkenswert, dass ich es nicht oft genug hervorheben kann.

Immerhin konnte ich mich dank ihm motivieren, im März und April zusammen über 300 km zu laufen. Vor einem Jahr hatte ich noch so gut wie nichts. Aber damit ist das Positive auch schon gesagt. Wir alle kennen das Gefühl, wenn ein Wettkampf absolut nicht so lief, wie geplant. Aber dieses Rennen wirkt wie ein richtiger Schlag ins Gesicht. „Auf Augenhöhe“ bin ich mit Fabian derzeit in etwa so wie die Blauen mit Schwatzgelb. Das ist aber weniger mein Problem. Was mich vor allem ratlos macht, ist die Tatsache, dass mir nach meiner Verletzungspause (Mai 2011 bis Mai 2013) nichts mehr so recht gelungen ist. Die letzte Zeit, mit der ich zufrieden war, bin ich am 12. September 2010 (Halbmarathon in 01:37 h im Golfpark St. Leon-Rot). Spätestens heute hat sich bei mir eine Leere breitgemacht, dieses hartnäckige Ich-bin-einfach-ne-Null-Gefühl. Die Antwort kann nur sein, den Kopf freizulaufen und weiter zu trainieren. In diesem Jahr wartet noch so einiges. Und die Ausgangslage sieht um einiges besser aus als 2014 oder 2015.

Ich bin übrigens „kurz“ gelaufen.

 

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