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Die schwarz-gelbe Regierung – gebraucht für die grüne Wende

14 Jun

Ulrich Beck sieht die Deutschen auf dem energiepolitisch richtigen Weg:

Einen so schnellen Ausstiegskurs wie Deutschland fährt keine andere Industrienation. Ist das nicht doch übertriebene Panik? Nein. Es ist nicht deutsche Angst. It’s the economy, stupid! Kernenergie wird auf Dauer teurer, erneuerbare billiger. Vor allem aber gilt: Wer weiter sämtliche Optionen offen lässt, wird nicht investieren. Dann schafft Deutschland die Energiewende nicht.

Ermöglichen konnte diesen radikalen Bruch freilich nur Schwarz-Gelb:

Nur eine wirtschaftsnahe, konservative Regierung kann eine solche Energiewende vollziehen, weil sie die lautesten Gegner dafür in den eigenen Reihen hat.

Die Bundesregierung ist weder konservativ noch durch größere Wirtschaftsnähe charakterisiert als ihre beiden Vorgängerregierungen. Aber in einem hat der Lieblingssoziologe des deutschen Feuilletons ohne Zweifel recht: So wie die Rot-Grün einberufen wurde, um den Angriff auf Jugoslawien und die Agenda 2010 durchzusetzen, so war die „bürgerliche“ Regierung Merkel für die grüne Wende vonnöten. Fukushima hin, Laufzeitverlängerung her. Der einzige Sinn und Zweck dieser Regierung war der Atomausstieg.

Kein Terror nirgends

8 Mrz

Über die mediale Reaktion auf den Terroranschlag am Frankfurter Flughafen stellt Gideon Böss richtig fest:

Die ganze Empörung und Abscheu, die eine solche Tat eigentlich auslösen müsste, zog stattdessen der Innenminister mit seiner harmlosen Wulff-Gegenrede auf sich. Was Friedrich in Berlin sagt, ist offenbar für viele Politiker das Problem, nicht, dass Arid U. „Allahu Akbar!“ brüllend in Frankfurt Menschen ermordet. Auch eine Prioritätensetzung.

Warum ist der Datenmissbrauch okay?

30 Nov

Gideon Böss fragt sich, warum Deutschland den jüngsten Datenmissbrauch so klasse findet:

Zum einen bedienen sie das unstillbare Verlangen nach Klatsch und Tratsch,
weswegen der Spiegel in dieser Woche auch so etwas wie die XXL-Ausgabe der
Bunten ist und zum anderen ist es einfach ein gutes Gefühl, die USA so blamiert
zu sehen.

Das ist zwar richtig, wobei der SPIEGEL immer eine XXL-Ausgabe der Bunten ist, aber ich finde es vor allem bemerkenswert, wie enttäuscht die Antiamerikaner von den Veröffentlichungen sind.

Bushido: wie gut es uns geht während der WM

14 Jul

Christian Soeder verweist auf ein SPIEGEL-Interview mit Bushido, der im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft ein paar Bemerkungen zur Integration macht, die ich für genauso richtig wie Christian halte. Mir springt ein Satz ins Auge.

Bushido: Ja, aber ich finde es schade, dass wir unser Land kleiner machen, als es ist. Sehen Sie mal, wie gut es uns geht während der WM: nicht wirtschaftlich, ich meine, im Kopf, im Herzen, in der Psyche. Wir sind befreit. Wir können unsere Flagge aus dem Fenster hängen, wir können sie ans Auto hängen. Niemand wird dich blöd angucken oder für einen Nazi halten.

Im Herzen und in der Psyche befreit. So befremdlich ich überhaupt die Tatsache finde, daß sich während einer WM zahlreiche Leute für Fußball zu interessieren beginnen, die mit ihm sonst rein gar nichts anfangen können, so sehr frage ich mich gerade nach dem, was ein solches WM-Ereignis zu etwas Befreiendem macht.

Ja, die Begeisterung für ein bestimmtes Team, für den ein oder anderen Spieler kann aufbauen und Alltagsfrustrationen vergessen machen, wie derlei „Spiele“ in jedem Sport eben als Ablenkung von der Tristesse des Daseins oder dem eigenen Elend taugen. genauso kann der Enthusiasmus umschalgen in eine Vertiefung der eigenen Aggressionen und Unzulänglichkeit. Der Fan empfindet die Niederlage des favorisierten Teams nicht einfach nur als Enttäuschung, sondern als persönliche Niederlage, als sein eigenes Scheitern. Wer in den letzten Tagen und Wochen auf feiernde Spanier einprügelte, Müll auf Straßen verteilte oder Scheiben einschlug, fühlte sich offensichtlich nicht befreit. Soweit muß man aber gar nicht gehen: Auch wer trotzig reagierte und wieder einmal den „Weltmeister der Herzen“ oder den „eigentlichen Weltmeister“ halluzinierte, war offensichtlich nicht einfach nur enttäuscht.

Und ganz grundsätzlich richten sich gerade im Fußball „Fans“ oft mit ihrer Leidenschaft zugrunde. Ich hatte in den 90ern einen Mitschüler, der so eingenommen war von seinem SV Waldhof Mannheim, an nichts anderes denken konnte, daß diese Manie ihn letztlich um sein Abitur brachte.

Was aber die Leidenschaft für das Team in Europa- und Weltmeisterschaften zusätzlich interessant oder vielleicht eben auch problematisch macht, ist die Frage der nationalen Zugehörigkeit. Vor zwei Jahren freuten sich kurz vor Beginn der EM beim letzten Freundschaftsspiel in einer Kneipe ein Kollege und ich darüber, daß Weißrussland gegenüber Deutschland in Führung ging. Schon wurden wir angepöbelt: Wir würden offensichtlich im falschen Land leben. Dabei war der Grund für unsere Freude eigentlich nur, daß wir vorher darauf gewettet hatten. Die Erwartung, dass nationale Zugehörigkeit zwingend zur Identifikation mit einem Fußballteam führen muß, scheint also weit verbreitet zu sein. In der vergangenen Woche schrieb ein Freund nach der deutschen Niederlage gegen Spanien, er sei zu einem kleinen Teil Holländer und zweimal gegen Spanien verlieren wolle er nicht. Manche meinen, wenn nichts anderes rettendes mehr bleibt, sich also an ein Team klammern zu müssen, weil ein Urgroßvater wohl der dahinter stehenden Nation entstammte. Wie befreit sie sein müssen…
Im Deutschen Nationalteam spielen Männer mit „Migrationshintergrund“, die Paradebeispiele sind für gelungene Integration. Und die sich selbstverständlich sich als Angehörige dieser Republik fühlen, wie der homophobe Rapper aus der deutschen Hauptstadt richtig beschreibt. Konnte man während der Beckenbauer-WM 1990 kurz vor der Wiedervereinigung noch berechtigt Angst vor der Tendenz diverser Fans zu völkischem Größenwahn haben, der sich anfang der 90er in Angriffen auf Asybewerberheimen dann auch zeigte, so lebt heute in einer anderen Welt, wer im Partyzirkus von 2006 und 2010 ernsthaft die braune Volksgemeinschaft wittert. Dennoch ist jemand, der sich über eine deutsche Niederlage erleichtert zeigt, vielleicht auch nur jemand, der sich gar nicht erst in den Sog von befreienden und beengenden Spielen hineinziehenlassen und in der nächsten Nacht ungestört schlafen will. Weiterhin bleibt Kritik an den WIR-Überhöhungen auch in Zukunft ganz angemessen. Und Bushido bleibt ein Brechmittel, das ich nicht als gelungenes Beispiel von Integration anführen würde.

Solidarität mit Fred Alan Medforth

17 Jan

Hiermit schließe ich mich dem Protest von Daniel Schikora gegen die Einschüchterung des Bloggers Fred Alan Medforth an. Sein Blog Jihad Watch Deutschland ist einmal wieder Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen.

Wehrpflicht – für schlechteste Option entschieden, Ctd

24 Okt

Mißbrauch der Wehrplicht

Wehrpflicht – für schlechteste Option entschieden

22 Okt

Mit einem Kompromiß, womit sonst, haben Schwarze und Gelbe heute ihre Auseinandersetzung zur Wehrpflicht weitestgehend beendet: Ab dem 1. Januar 2011 soll die Zeit des Dem-Staate-Dienens nur noch sechs Monate betragen. Unklar ist noch, ob der Monat Urlaub, der gewährt werden soll, in dieser Zeit enthalten sein wird.

Die FDP scheint mit diesem Schwachsinn zufrieden zu sein. Schließlich würde die Wehrgerechtigkeit verbessert, da bei einer verkürzten Zeit mehr Männer eingezogen würden. „Wehrgerechtigkeit“ aber besagt, daß jeder junge Mann zum Dienst muß, und nicht Zufall oder Willkür über die Einberufung entscheiden (gerecht ist an diesem Prinzip allerdings ohnehin nichts). Genau das wird aber auch in Zukunft im selben Maß der Fall sein, da von den zahlreichen Kriterien, die jeweils eine Befreiung ermöglichen, keins gestrichen wird. Da die Wehrpflicht aber nun künftig wirklich niemandem mehr irgendetwas nützen wird, sinkt ihr Attraktivität, falls es da je eine gab, und es ist wohl eher damit zu rechnen, daß die Zahl derer, die sich bewußt für den „Dienst an der Waffe“ entscheiden, weiter abnimmt.

Die Argumente für die Beibehaltung der Wehrpflicht fallen stets sehr schwach aus, sind meistens nur peinlich. In den vergangenen Jahren ist die Dienstzeit immer weiter gekürzt worden. Daß Schwarz-Gelb dasselbe macht und damit den schlechtesten aller denkbaren Wege gehen würde, war zu erwarten. Wann werden ernsthaft liberale Politiker in eine deutsche Bundesregierung treten und die Wehrpflicht abschaffen?