Tag Archives: Borussia Dortmund

Der Junge aus Körne

14 Feb

Samstag, 31. Januar 2015, Auftakt zur Rückrunde. Borussia Dortmund kämpft um den Klassenerhalt und es geht gleich gegen Bayer Leverkusen. Ich sitze im Irish Pub, um das Spiel zu schauen. Im Lauf der ersten Halbzeit setzt sich ein junger Mann zu mir an den Tisch. Er hat offenbar schon ein wenig getankt. Offenbar drückt er meinem Verein die Daumen, denn bei jedem groben Kontakt der Leverkusener fängt er an laut zu fluchen. Irgendwann in der zweiten Halbzieht zielt Marco Reus knapp daneben. Der Mann am Tisch kläfft die Leinwand an: „Den macht jeder Bayern-Stürmer rein, aber du nicht. Hoffentlich bist du bald weg“. Und als Reus kurz drauf zum Eckball schreitet nochmal: „Tschüß!“

Genau zehn Tage später verlängert Reus seinen Vertrag bis 2019. Die meisten sind überrascht – und das positiv: Ein starker Impuls im Abstiegskampf. „Maximale Identifikation mit dem Verein“, erkennt der Sportdirektor. Doch anders als Kevin Großkreutz konnte der „Dortmunder Jung“ Marco Reus noch nie die Fans wirklich von genau dieser „maximalen Identifikation“ überzeugen. So viele Reus-Trikots gleich nach seinem Wechsel 2012 auch auf einmal im Stadion zu sehen waren; so besonders beliebt ist der enge Freund des schwer in Verruf geratenen und nach München gewechselten Mario Götze eben doch nicht. Er galt zumindest bisher doch eben eher als „Söldner“ – Geburtsort Dortmund hin oder her. „Echte Liebe“ (was hasse ich den von unzähligen Fans unkritisch übernommenen Marketing-Slogan) nahm ihm niemand so recht ab.

Seine Führerschein-Story wurde weitestgehend so gedeutet: Fußballer im Allgemeinen ticken ebenso. Die sind abgehoben. Acht Wochen später ist da in Bezug auf Reus noch erstaunlich wenig zu hören.

So reaktionär das auch ist: ich muß gestehen, dass auch ich mich immer besonders freue, wenn ein Dortmunder für den Verein Tore schießt. Der ist deshalb kein besserer Borusse, ganz und gar nicht. Wie ja auch bei den Fans alle „Dortmunder Jungs“ sind, die dem Verein verbunden sind, ganz egal wo sie herkommen. Und so albern der ganze Identifikationskram auch ist, bleibt es doch schön, wenn ich einem Spieler anmerke, dass der Verein und die Fans dem Spieler wirklich was bedeuten. Wie sich das bei Marco Reus genau verhält, kann ich schwer beurteilen. Aber er dürfte mit seiner Vertragsverlängerung doch einigen gezeigt haben, dass man gar nicht immer so furchtbar „emotional“ nach außen hin sein muss, dass man durchaus auf seine Karriere bedacht sein kann – und trotzdem unendlich wertvoll für den Verein und umgekehrt der Verein für einen selbst von riesiger Bedeutung ist.

Was die sportliche Seite anbelangt, erübrigt sich ohnehin jedes Wort. Er ist für die Dortmunder Offensive unfassbar wichtig. Und beim gestrigen Spiel gegen Mainz jubelte vermutlich auch der junge Mann von neulich Reus zu.

Ich möchte nicht Vizemeister genannt werden

28 Apr

So. Es ist vollbracht. Nachdem unsere blauen Freunde aus Gelsenhausen also auch gestern nicht gewinnen konnten, sie im Gegenteil durch ein Gegentor von Patrick Herrmann (immer wieder goldig) gegen die Fohlen unterlagen, bleiben sie hinten. Wir sind und werden in der Saison 2013/14 Zweiter und damit definitiv vor den Blauen sein. Und damit Ruhrpottmeister beziehungsweise die Nummer Eins im Pott.

Aber eins geht gar nicht. Manche, vielleicht sogar die meisten reden vom „Vizemeister“ beziehungsweise, noch viel, viel schlimmer, von einer erzielten „Vizemeisterschaft“. Vizemeister. VIZE! Also sowas wie stellvertretender Meister; Meister, sobald der amtierende Meister das Zeitliche segnet, fast Meister. Ihr lieben Leute, ich weiß, daß das Wort gängig ist, daß es durch und durch üblich ist, in allen möglichen Disziplinen vom Zeiten als vom „Vize“ zu reden. Als Rudi Völler 2002 mit seiner Gurkentruppe ins Finale gekommen war, gab es im Anschluß an die Niederlage auch Autokorsos auf die „Vizemeisterschaft.“ Im selben Jahr ging Leverkusen als „Vizekusen“ in die Geschichte ein. Trotzdem halte ich „Vizemeister“ für eine dummdeutsche Wortschöpfung. Man ist entweder Meister oder ist es nicht. Wir sind es nicht. Von mir aus sind wir Meister im Ruhrgebiet, Meister in Nordrhein-Westfalen, Meister der Rest-17, wenn wir unbedingt Meister von irgendwas sein wollen. Aber Vizemeister ist ein dummes Wort. Ich möchte deshalb nicht Vizemeister genannt werden. Borussia Dortmund ist nach zwei Meisterschaften inklusive eines Doubles die zweite Saison in Folge Zweiter. Wir leben in einer großen Zeit.

Wie 1949: Borussia Dortmund spielt wieder gegen den VfR Mannheim

26 Apr

Der Mannheimer Morgen berichtet:

„107 Minuten waren am 10. Juli 1949 gespielt im Endspiel um die Deutsche Fußball-Meisterschaft. In der 108. Minute traf Ernst Löttke zum 3:2 für den VfR Mannheim. Knapp zwölf Minuten später war das Finale Geschichte, der erste und bisher letzte Mannheimer Meistertitel perfekt. 65 Jahre später will ein kleines Team mit großen Ambitionen dieses Glücksgefühl samt Schale zurück in die Quadratestadt holen. Wie genau das ablaufen soll, erklärten die Männer gestern im Rhein-Neckar-Stadion – und hatten eine ordentliche Überraschung im Gepäck.

Am 11. Juli 2014 soll das Replikat der Originalschale in Mannheim übergeben werden. Aber nicht einfach so. Nein: Der VfR plant Großes. Wie vor 65 Jahren soll es ein Fußballspiel geben. Aber nicht irgendeines. Damals wie an diesem Tag soll der Gegner Borussia Dortmund heißen. 11. Juli? War da nicht noch irgendetwas? „Weil dann die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien läuft, haben wir uns für ein Duell zweier Traditionsmannschaften entschieden“, sagte Boris Scheuermann vom Marketingkreis des VfR. Ein paar Namen, die Lust auf dieses besondere Sportereignis machen, hatte er dabei.

 
Günter Kutowski beispielsweise: Er war Teil der großen Borussen-Elf der 1990er Jahre, die unter Ottmar Hitzfeld Meister und Champions-League-Sieger wurde. Oder Frank Mill. Der kleine Dribbelkünstler stand im erfolgreichen WM-Kader von 1990 und genießt beim BVB Kultstatus. Genauso wie Michael Schulz, der Mann mit der Monstermatte, der nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb regelmäßig Ecken und Kanten zeigte.

Der VfR wird ebenfalls eine bunte Truppe ins Rennen schicken. „Noch führen wir Gespräche, können nicht alle Namen verraten“, sagte Günther Birkle, der die Traditionself der Mannheimer mitbetreut. Mit den Urgesteinen Reinhold König, Hans-Peter Makan und Sigi Olscha sei man sich bereits einig. Aus dem aktuellen Kader wird unter anderem Keven Bayram auflaufen. Für die Torwartposition hat Heinz Kraus zugesagt.

„Mehr zum endgültigen Kader werden wir vermutlich im Rahmen unseres Maimarkbesuches am 3. Mai bekanntgeben können“, sagte Birkle. Ziel sei es, eine generationenübergreifende Mannschaft zusammenzustellen, mit der sich junge und alte Mannheimer Fußballfans identifizieren können.

Damit die Meisterschale beziehungsweise ihre originalgetreue Nachbildung auch tatsächlich nach Mannheim kommt, gilt es für die VfR-Macher nach wie vor fleißig die Werbetrommel zu rühren. Bisher laufe die Kampagne „Mannheim holt die Schale“ richtig gut, sagte Scheuermann. Gut 200 gespendete „Tore“ habe man seit dem Beginn der Aktion am 6. Januar gesammelt. Dabei entspricht ein Tor dem Spendenwert von 49 Euro. Kommen am Ende 349 Tore zusammen, ist der Gegenwert des Replikates erwirtschaftet und die große Party kann am 11. Juli dieses Jahres steigen.“