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Özil – Deutsch wie Neuer

19 Jun

Mesut Özil ist Gelsenkirchener. So weit, so schlecht. Er ist ganz genauso, ja mindestens genauso Deutscher wie Manuel Neuer. Gelsenkirchen? Ist das nicht doch ein gänzlich anderer Kulturkreis? Sicherlich. Aber man kann über diesen grauenvollen Fleck im Ruhrgebiet zurecht alles mögliche Schlechte behaupten, aber man kann nicht behaupten, daß Gelsendings keine deutsche Stadt sei. Gelsenkirchen ist leider sehr deutsch, vermutlich die deutscheste Stadt an der Ruhr, aber da wollen wir mal nicht in die Tiefe gehen.

Der Deutsche Mesut Özil ist rassistisch beleidigt worden. Das ist nichts Ungewöhnliches. Trotz reformiertem Staatsbürgerschaftsrecht herrscht hierzulande in den Köpfen immer noch die Idee der Volksgemeinschaft, die anti-republikanische Auffassung von „Nation“ eben. Du kannst einen deutschen Namen haben und fließend deutsch sprechen-das nützt dir nichts, wenn du anders aussiehst. Und wenn du auch noch dein Name auf  ein anderes Land hindeutet, hast du sowieso verloren. Ich habe ja einen deutschen Namen, sehe deutsch aus, spreche fließend deutsch und habe trotzdem keine deutsche Staatsbürgerschaft, bin also kein Deutscher, was aber eben keiner weiß. Mesut ist Deutscher und wenige wissen es. Man hat es ihm auch nicht gerade leichter gemacht, als man ihm den Integrations-Bambi verlieh.

Bei der letzten WM wurde nun folgende Geschichte erzählt: Der Partypatriotismus hat nichts mit rechtem Nationalismus zu tun, da aus der Sicht der Rechtsradikalen es sich bei der DFB-Elf um ein multikulturalistisches Konglomerat handle, das nicht repräsentativ fürs Volk sei. Die Fahnenschwenker jedoch würden sich über jedes Tor jedes Nationalspielers und richtige Fans  ebendieser Elf. Genau das stimmt leider nicht. Sich über die Tore von Özil und Poldi zu freuen und diese Spieler trotzdem nicht als Deutsche anzuerkennen, geht wunderbar zusammen. Habe ich selbst schon mehrfach miterlebt.  Mag sein, daß der Großteil der schwarzrotgold Bemalten nichts mit Rechtsradikalismus zu tun hat. Dann bleibt aber immernoch ein großer Teil, der lieber Andreas, Thomas und Peter auf dem Platz fürs Nationalteam stürmen sähe. Leute, die eben aussehen wie ich.

Zwei Ereignisse ohne Zusammenhang – Fankongreß und Wintercup

15 Jan

Ein bißchen was los war dieses Wochenende dann doch. Der Fankongreß in Berlin war mir im Voraus wirklich vollkommen egal, aber im Nachhinein betrachtet finde ich es schon wieder schade, daß ich nicht dabei war. Denn das Gefühl, engagiert zu sein und irgendwas zu bewegen oder zumindest bewegen zu wollen, ist doch ein schönes. Und dann habe ich auch noch Diskussionen mit dem Ermittler dembowski als Moderator verpasst.  Zum Kongreß sind hier sehr die Berichte von Fabian Fiedler sehr zu empfehlen.

Und heute Nachmittag war ein unspektakulärer Wintercup in Düsseldorf zu verfolgen. Der amtierende Deutsche Meister zeigte sich im Düsseldorfer Rheinstadion über 45 Minuten gegen Fortuna in guter Form. In Führung ging der BVB mit einem Treffer durch Kagawa, kurz drauf folgte mit einem wahren Hammertreffer von Christian Wagner der Ausgleich. Perisic scheiterte kurz vor knapp mit einem Pfostentreffer. Im Elfmeterschießen haben dann eben Götze und Hummels verschossen. Zumindest bei Götze zählen Elfer wirklich nicht zu seinen Stärken. Hat jedenfalls nicht geschadet, es mal wieder geübt zu haben. Dennoch war der BVB mehr zwanzig Minuten lang drückend überlegen. Ein wunderbarer Angriff durch Lewandowski kurz vor Schluß war nur einer der Glanzmomente.  Das Spiel um Platz 3 gegen Werder Bremen war über die längste Strecke langweilig. Der Ballspielverein gewann durch einen Treffer von Mohamed Zidan.

Fortuna setzte sich im Finale auch gegen Borussia Mönchengladbach durch, gewann also den Wintercup und wurde – vor allem durch das gewonnene Elfmeterschießen gegen den BVB – ein ganz klein wenig für die Niederlage im Pokalspiel vor fast vier Wochen entschädigt. Ich hätte im Übrigen wirklich nichts dagegen, wenn Fortuna aufstiege.

Und nach dem, was ich heute und vor einer Woche im Testspiel gegen Standard Lüttich gesehen habe, mache ich mir im Moment wenig Sorgen um den Beginn der Rückrunde.

UPDATE: Ein Zusammenhang dieser Ereignisse – das hatte ich schon wieder vergessen – kommt einem natürlich schon in den Sinn. Bei dem Fangreß ging es freilich unter anderem um Pyrotechnik. Und was geschah heute in Düsseldorf – na klar, es flogen – vermutlich aus dem BVB-Block – Böller auf den Rasen. Das lasse ich mal so stehen.

Warum ich die Deutsche Nationalmannschaft plötzlich toll finde

11 Okt

Das Spiel gegen Belgien, von dem ich jobtechnisch und dann auch wegen der Deutschen Bahn nichts gesehen habe, nehme ich zum Anlaß, hier mal mit meinem Verhältnis zur Deutschen Nationalmannschaft aufzuräumen. Mit der hatte ich als „antideutscher Fußballfan“ bisher natürgemäß wenig im Sinn. Aber das hat sich gründlich geändert. Und die Verantwortung dafür haben natürlich Borussen.

Von vorne: Auch wenn ich bei der WM 1982 schon Fußballbildchen von Rummenigge und co. sammelte, war die Weltmeisterschaft 1990 die erste von mir richtig Verfolgte. Ich fand das auch alles ganz gut ohne mich besonders über den Titel der Deutschen zu freuen. Daß die USA ein Team stellten, nahm ich da in dem Jahr das erste mal zur Kenntnis, und fand das Ausscheiden aus der Vorrunde irgendwie schade. Die Europa- und Weltmeisterschaften der 90er Jahre gingen dann eher an mir vorbei. Ich verfolgte zwar alles sehr genau, konnte mich aber nicht begeistern. Über die Niederlage der Deutschen im Viertelfinale gegen Kroatien 1998 erheiterte mich dann erstmals. Denn ich schaute das Spiel in einem Ausflugslokal bei Deidesheim/Pfalz und konnte mich an der schlechten Laune der Leute um mich herum so schön erfreuen. Bei der WM 2002 begann dann eine ganz komische Entwicklung: Ich bekam vor jedem weiteren Sieg der Deutschen irgendwie Angst. Über die Niederlage im Endspiel war ich einfach nur erleichtert. Genau das setzte sich vier Jahre später in verstärkter Form fort. Als die  Italiener die beiden Tore kurz vor knapp reinfegten (auf den Tag 8 Jahre nach der Niederlage gegen Kroatien), wirkte das für mich wie ein Befreiungsschlag. Wiglaf Droste sprach mir dann auch gleich aus dem Herzen. Ich sah ja auch, daß die Italiener den Titel nicht verdienten, aber dieser „Weltmeister-der-Herzen“-Partynationalismus hatte mich einfach angewidert.

Letztes Jahr hatte sich das schon sehr geändert. Sicher fand ich das ganze Gehabe und vor allem die BILD-Schlagzeilen nach den spielen gegen England und Argentinien daneben, aber ich fand es ausgesprochen gut, daß die Deutsche Nationalelf in einer Form war wie seit 1990 nicht mehr. Und über die Niederlage gegen Spanien war ich weder hämisch noch erleichtert. Noch etwas war neu: Erstmals konnte ich mich für die Nationalelf so richtig begeistern. Alle spiele nahmen mich richtig mit und die Niederlage im Achtelfinale war wie ein Schlag mit dem Knüppel; ich war am Boden zerstört.

Aber seit Anfang dieses Jahres mache ich eine ganz neue Erfahrung. Ich drücke der Deutschen Nationalelf jedesmal die Daumen. Ich?! Ja ich. Früher haben mich weder Freundschafts- noch Qualifikationsspiele sonderlich interesssiert. Jetzt schaue ich alles, was ich schauen kann und freue mich über jedes Tor, ob nun durch Özil oder sonstwen. Der Grund dafür ist in erster Linie Mario Götze, in zweiter Linie Mats Hummels. Ja, was Möller und Sammer in den 90ern nicht vermochten, haben Götze und Hummels geschafft. Wenn ich mich auch nie schwarz-rot-gold schminken oder fahneschwenkend durch die Stadt laufen werde: Der 19-jährige notorisch sympathische und gnadenlos talentierte Götze hat auch in dieser Beziehung einen anderen Menschen aus mir gemacht. Und das ist mal echt ne Leistung.

DFB spinnt

26 Sep

Sie haben den Unparteiischen beschimpft, sie haben gepoltert,  geschnaubt, liefen hörbar rot an und kriegten sich nicht ein vor lauter lauter. Und nun, vier Wochen später, nachdem Wonderkind und Kapitän schon wieder auf den Rasen gedurft hatten, wurde der Beschluß des hohen Gerichts öffentlich: der eine ne Geldstrafe und der andere gesperrt.

Krass was? Der DFB sperrt unsern Nobby und zieht Boris aus dem Verkehr. Darf dat dat??! Dat darf dat. Datt darf dat??! !Dat darf dat. Datt dat dat darf…

Was im Auftrag von Borussia Dortmund gemacht wird, unterliegt der Sportgerichtsbarkeit des DFB. Und die Entscheidung in diesem Falle ist – euch wird nicht überraschen, was jetzt kommt – lächerlich. Freilich gibt es Grenzen. Die haben beide bei dem Spiel gegen Vizekusen überschritten. Aber ne Sperre für zwei Spiele braucht es deswegen nicht. Ein bestimmtes „So gehts nicht“ hätte es wohl auch getan.

Ich komme bei Spielen, bei denen ich nicht im Stadion sein kann, nicht ohne Netradio aus.  Das ist von Fans für Fans und eine klasse Erfindung. Nobby Dickel und sein sein jeweiliger co-Moderator sollen beim Kommentieren a) parteiisch sein und b) Gefühle zeigen (dürfen). Das ist das Konzept hinterm Netradio. Denn damit hast du in der Einsamkeit zuhause eben das Gefühl, es sitzen Fans neben dir. Es gibt aber Dinge, die „man nicht macht.“ Und so ein Auftritt schadet dem Image des Vereins. Und stachelt den ein oder anderen Fan noch zu einem Mehr an Haß an. Aber ne Abmahnung..ach, ich sag ja schon nix mehr.

Verstehen einer den DFB…