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Köln-Marathon 2013: Ich bin wieder hier

19 Okt

Ich lerne es einfach nicht. Sagte ich mir immer wieder. Seit Kilometer 10. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, die ersten zehn auf keinen Fall unter 50 Minuten zu laufen. Eher in 51 Minuten. Gelaufen bin ich sie in 48:48 Minuten. Achim, der die ganze Zeit hinter mir war, holte mich unmittelbar danach ein: „Warste doch ein bißchen schneller. Hab nur deinen Kopf noch gesehen. Hat es sich jetzt eingependelt? Sollen wir so weiterlaufen, knapp unter 5 (min/km)?“ Ja, denke ich, eigentlich immernoch viel zu schnell, aber so kann es erstmal weitergehen. Eigentlich will ich auf die Bremse treten, denn das kann nur ein Fiasko geben. Andererseits ist es schön, schnell zu sein, ich will also dranbleiben. Ab Kilometer 18 oder 19 gehe ich deutlich runter vom Gas. Wer seinen Test-Halbmarathon in 1:47 h gelaufen ist, sollte beim Marathon nicht unbedingt die erste Hälfte in 1:45 h laufen. Ich überquere die Halbmarathon-Linie in 1:45:07 h. Gut, ich bin also über 5 km/min. Vielleicht kann ich ja so ab Kilometer 28 oder 30 oder 32 wieder das Tempo anziehen. Jetzt erstmal zurückhalten. Bei Kilometer 25 habe ich 2:06, h, die Läufer um mich rum erzählen sich gegenseitig, daß sie gut in der Zeit liegen. Ja, das schon. Nur ich merke, meine Kraft ist komplett weg, ich fange an zu kämpfen. Jetzt geht es immerhin nach Nippes raus und ab da ist eh Kampfzone. Ich werde so langsam, dass ich mich nicht mehr traue, auf die Uhr zu schauen. Bis Kilometer 30 einfach konzentriert ruhig weiterlaufen. Das Temo anzuziehen, daran ist beim besten Willen nicht mehr zu denken.Hinter der 30 merke ich, wie die nicht nur die Beine, sondern auch die Füße weh tun. Vor allem am linken Fuß scheine ich ne Blase zu haben. Ich teile mir die Strecke gedanklich in Zwei-Kilometer-Abschnitte ein. Danach wären Gehpausen legitim. Noch bis Kilometer 34. Und jetzt bis 36. Okay, jetzt bis 38. Ab Kilometer 39 werde ich automatisch schneller. Nun schaue ich doch auf die Uhr: 3032 h, die letzten drei Kilometer unterm Sechserschnitt, dann schaffe ich es wenigstens unter 3:50. Aber die Strecke will und will nicht enden,  außerdem laufe ich zwar recht zügig, mache aber seltsame Bewegungen, isch scheine eher zu humpeln. 03:51:50 h.

Das ist die Timeline:

Split Tageszeit Zeit Diff min/km km/h
10 km 12:20:58 00:48:48 48:48 04:53 12.30
21,1km 13:17:16 01:45:07 56:19 05:05 11.83
30 km 14:06:35 02:34:25 49:18 05:33 10.83
40,7 km 15:14:51 03:42:41 01:08:16 06:23 9.40
Netto 15:24:00 03:51:50 09:09 06:08 9.80

Achim sitzt zufrieden und fertig an der Seite. Wie bei ihm war? 195 Meter zu lange, 03:30:54 h. Alles tut mir weh, eine fette Blutblase am linken Fuß.

Ich könnte jetzt sagen, daß das Ergebnis in keinem Verhältnis zum betriebenen Aufwand steht. Ich weiß, daß ich schon viel schnellere Zeiten mit deutlich weniger Training gelaufen bin. Ich könnte mich ärgern. Mache ich aber nicht. In den letzten drei Jahren gab es Zeiten, in denen ich überzeugt war, nie wieder einen Marathon laufen zu können. Ich habe es wieder geschafft. Nur das zählt.

Marathon-Trainingstagebuch: Woche 14

29 Sep

Der Berlin-Marathon findet immer zwei Wochen vor Köln statt. So langsam wird es ernst. Nur noch 14 Tage. So absolvierte ich heute denn auch den letzten langen Lauf, diesmal nur noch über 27,1 km, wobei die Beschleunigung auf den letzten 5 km sehr gut klappte. Es war die kilometerintensivste Woche mit 87,9 km in 5 Einheiten.

Und es ist wirklich nicht einfach, um diese Jahreszeit noch nach der Arbeit durch die Gegend zu flitzen. Wenn ich auf die Laufbahn will, solange es noch hell ist, bleibt mir gar nichts übrig als eine Überstunde abzufeiern. Dienstag verließ ich immerhin knapp 40 Minuten früher das Büro, um auf die Bahn zu kommen. Auf dem Plan standen 1000m – 2000m – 3000m – 2000m – 1000m; Zeitvorgabe 04:31 min/km. Mittwoch folgte ein längerer Dauerlauf durch die Dunkelheit, Donnerstag ein 17 km langer Tempolauf durch den finsteren Mannheimer Waldpark und über den Lindenhof. Freitag wechselte ich zu moderatem Ausgleichstraining im Fitness-Center, Samstagmorgen dann der nächste mittellange Dauerlauf.

Seit Trainingsstart am 24. Juni liege ich jetzt bei 833,6 km. Wenn ich den Halbmarathon mitzähle, habe ich insgesamt zwölf lange Läufe, neun davon über 25 km und zwei über 30. Jetzt werde ich das Training langsam runterfahren, wobei ich Dienstag noch ein letztes mal auf die Laufbahn muss.

Ich freue mich.

Marathon-Vorbereitung Woche 4: die ersten Problemchen

15 Jul

Bin ja ein Alter Hase.  Immerhin nähert sich mein zwölfter Marathon und ich bin seit elf Jahren im Geschäft. Aber immer wieder hat man doch so seine Wehwehchen, stößt auf ungeahnte Herausforderungen.

Die ersten drei Wochen meiner Vorbereitung auf den Köln-Marathon sind vorbei. Bin gut reingekommen und laufe sehr genau nach Plan.  Aber die Nachwehen des gestrigen langen Laufes erinnerten mich dann schmerzhaft doch an etwas, das ich in den drei Jahren meiner Abstinenz vollkommen vergessen hatte: Kopfschmerzen nach langen Einheiten. Vor meinem letzten Marathon 2010 hatte ich das punktuell auch; in den früheren Jahren hatte ich damit jedoch nie Last. Gestern habe meinen Kopf richtig zum Brummen gebracht.

Gegen 10 Uhr lief ich los. Ja, es war schon recht warm, allerdings wehte ein recht angenehmer Wind und im Mannheimer Waldpark ist man vor der Sonne gut geschützt. Ohne Ermüdung lief ich 26,7 km (6:09 min/km). Wieder zuhause bekam ich erstmal einen Hustenanfall, der gut zwanzig Minuten anhielt. Zu hohe Ozonwerte, zuviele Pollen in der Luft? Auch egal, denn dann kamen Kopfschmerzen und die halten den Nachmittag über an. Stellenweise fühlte es sich wirklich so an, als wäre das Hirn nur noch ein trockener Fels, der gegen die Augenhöhlen drückte.

Naheliegende Erklärung: Flüssigkeitsmangel. Doch getrunken habe ich eigentlich genug, vor, während und nach dem Lauf. Darüber hinaus liefern Laufforen viele weitere mögliche Erklärungen: steifer Nacken, zu niedriger Blutdruck etc. Hat irgendjemand von euch ähnliche Erfahrungen?

Mein zweites Problem nervt und ärgert mich schon seit einigen Wochen: mein Garmin Forerunner 305 braucht ewig bis er den Satelliten ortet. Oft latsche ich erstmal gefühlte Stunden rum bis dat Scheißdingens anspringt. Bestellt und in Betrieb ist das Gerät im Januar 2011. Und damals hatte ich an den gleichen Orten, also auch in der Umgebung gleich hoher Gebäude weit weniger Probleme. Auch ein Soft Reset hat nix gebracht.

Vielleicht sollte ich bei Uhr und Kopf mal einen Hard Reset durchführen. Und sehen, was die Woche 4 so bringt.

 

Der Weg über Engelberg nach Köln

13 Apr

Nein, es geht nicht um den Effzeh, nicht um Fußball. Sondern um das Laufen. Darüber habe ich ja lange nicht mehr gebloggt – naturgemäß. Und um den Köln-Marathon 2013, der mein Saisonhöhepunkt sein soll.

Sollte ich wirklich teilnehmen können, wäre das die erste Saison mit Höhepunkt seit 2010. Nach langer Verletzungspause. Das wäre wunderschön, aber ich weiß natürlich nicht, ob meine Probleme mit der Ferse nicht zurückkehren.

Nochmal ein Rückblick: Nach gefinishtem Köln-Marathon vor zweieinhalb Jahren begann ich das Jahr 2011 mit planmäßigem Training nach der Formel von Jack Daniels. Ich war Ende Mai auf bestem Wege zu neuen Wettkampfleistungen, da konnte ich während des Trainings nicht mehr auftreten. Diagnose: Fersensporn. Trotz Einlagen scheiterte jeder neue Laufversuch und ich gab irgendwann auf. Nichtsdestotrotz hatte ich oft auch beim Gehen Schmerzen. Wie ein spitzer Stein im Schuh. Ab Januar 2012 bekam ich dann beim Orthopäden Stoßwellentherapie und Injektionen. Zuerst schienen die Schmerzen schnell überwunden, nach mehreren Wochen versuchte ich das Laufen zaghaft erneut. Aber nix da, der Fersensporn meldete sich mit Macht zurück. Die Therapie ging weiter, kostete mit jeder Sitzung 70 Euro, und nützte nullkommajosef. Nach 17, in Worten: siebzehn, Stoßwellen und Nadelstichen in meinen rechten Fuß kapierte dann auch ich endlich, dass das wohl nicht der rechte Ansatz war.

Ein Freund empfahl mir einen Allgemeinmediziner, der sich in alternativen Methoden betätigte. Die zogen ganz offenbar und Ende letzten, Anfang diesen Jahres zogen sich die Probleme zurück. Wenn ich auch noch ab und zu ein leichtes Ziehen spüre, ich kann wieder laufen wie eh und je.

Um die Jahreswende fragte eine Freundin, wer am StrongmanRun in der Schweiz mitmachen wolle. Ich schlug vor, unseren gesamten Freundeskreis anzumelden. Und so stellt dieser klamaukige Hindernislauf am 1. Juni in Engelberg eine erste Herausforderung dar. Dafür freilich habe ich kein konkretes Zeitziel, denn dafür eignet sich der Lauf ohnehin nicht. Ich mache mir hauptsächlich Gedanken über die Hindernisse. Am 1. Mai will ich meine Form  auf dem Mannheimer Brückenlauf testen.

Für die Zeit ab Ende Juni plane ich dann eine 16-wöchige Vorbereitung für Köln. Köln – das war mein erster Marathon 2002. Köln bin ich 2003 am Tag vor einer Klausur in Spieltheorie gelaufen mit mal gerade einer Banane im Magen (was war man doch blöd), Köln bin ich 2011 am Jahrestag des 11. September gelaufen. Köln lief ich nach kurzer Vorbereitungszeit wegen gerade abgegebener Diplomarbeit 2005. Köln war eine Enttäuschung 2007, aber auch meine bisherige Bestzeit (03:30:27 h) 2008. Köln könnte 2013 ein Comeback sein. Oder auch nicht.