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Wie 1949: Borussia Dortmund spielt wieder gegen den VfR Mannheim

26 Apr

Der Mannheimer Morgen berichtet:

„107 Minuten waren am 10. Juli 1949 gespielt im Endspiel um die Deutsche Fußball-Meisterschaft. In der 108. Minute traf Ernst Löttke zum 3:2 für den VfR Mannheim. Knapp zwölf Minuten später war das Finale Geschichte, der erste und bisher letzte Mannheimer Meistertitel perfekt. 65 Jahre später will ein kleines Team mit großen Ambitionen dieses Glücksgefühl samt Schale zurück in die Quadratestadt holen. Wie genau das ablaufen soll, erklärten die Männer gestern im Rhein-Neckar-Stadion – und hatten eine ordentliche Überraschung im Gepäck.

Am 11. Juli 2014 soll das Replikat der Originalschale in Mannheim übergeben werden. Aber nicht einfach so. Nein: Der VfR plant Großes. Wie vor 65 Jahren soll es ein Fußballspiel geben. Aber nicht irgendeines. Damals wie an diesem Tag soll der Gegner Borussia Dortmund heißen. 11. Juli? War da nicht noch irgendetwas? „Weil dann die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien läuft, haben wir uns für ein Duell zweier Traditionsmannschaften entschieden“, sagte Boris Scheuermann vom Marketingkreis des VfR. Ein paar Namen, die Lust auf dieses besondere Sportereignis machen, hatte er dabei.

 
Günter Kutowski beispielsweise: Er war Teil der großen Borussen-Elf der 1990er Jahre, die unter Ottmar Hitzfeld Meister und Champions-League-Sieger wurde. Oder Frank Mill. Der kleine Dribbelkünstler stand im erfolgreichen WM-Kader von 1990 und genießt beim BVB Kultstatus. Genauso wie Michael Schulz, der Mann mit der Monstermatte, der nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb regelmäßig Ecken und Kanten zeigte.

Der VfR wird ebenfalls eine bunte Truppe ins Rennen schicken. „Noch führen wir Gespräche, können nicht alle Namen verraten“, sagte Günther Birkle, der die Traditionself der Mannheimer mitbetreut. Mit den Urgesteinen Reinhold König, Hans-Peter Makan und Sigi Olscha sei man sich bereits einig. Aus dem aktuellen Kader wird unter anderem Keven Bayram auflaufen. Für die Torwartposition hat Heinz Kraus zugesagt.

„Mehr zum endgültigen Kader werden wir vermutlich im Rahmen unseres Maimarkbesuches am 3. Mai bekanntgeben können“, sagte Birkle. Ziel sei es, eine generationenübergreifende Mannschaft zusammenzustellen, mit der sich junge und alte Mannheimer Fußballfans identifizieren können.

Damit die Meisterschale beziehungsweise ihre originalgetreue Nachbildung auch tatsächlich nach Mannheim kommt, gilt es für die VfR-Macher nach wie vor fleißig die Werbetrommel zu rühren. Bisher laufe die Kampagne „Mannheim holt die Schale“ richtig gut, sagte Scheuermann. Gut 200 gespendete „Tore“ habe man seit dem Beginn der Aktion am 6. Januar gesammelt. Dabei entspricht ein Tor dem Spendenwert von 49 Euro. Kommen am Ende 349 Tore zusammen, ist der Gegenwert des Replikates erwirtschaftet und die große Party kann am 11. Juli dieses Jahres steigen.“

Starbatty in Mannheim: „Mario Draghi das Handwerk legen“

24 Apr

Gestern Abend bei der AfD Mannheim. Vortragsveranstaltung mit Professor Starbatty im Festsaal der Jüdischen Gemeinde: „Die Zukunft Europas“. Moritz, den ich drei Jahre nicht gesehen habe, begrüßt mich. Einer Mitschüler von ihm sitzt neben ihm. Der Kreisvorsitzende Will begrüßt die Anwesenden im zu gut achtzig Prozent gefüllten Saal. Er nennt schnell, schließlich wolle er ja die Fußballgucker nicht vom Fußball abhalten, noch zwei zentrale kommunalpolitische Forderungen der AfD. In jedem Stadtteil Mannheims solle ein Kindergarten von 7 Uhr bis 20 Uhr geöffnet haben. Das sei wichtig wegen der Frauen, die arbeiten wollen, und die einzige Forderung, die ein bißchen was kosten werde. Sonst schlügen sie zahlreiche Möglichkeiten vor, wie man Geld sparen können. Dann nennt er noch eine Forderung – irgendwas solle vor die Kunsthalle, ich hab nicht richtig zugehört. Der Herr Professor betritt das Podest.

Starbatty beginnt mit der Unterscheidung Max Webers zwischen Politikern, die von der Politik leben, und Politikern, die für die Politik leben. Für den ersten Typus sei Pofalla ein Beispiel. Die einzige Qualifikation, die er habe, um bei der Deutschen Bahn zu arbeiten, sei die, dass er schon mal bahngefahren sei. Ihn jedenfalls, Starbatty, freue es, bei der Jüdischen Gemeinde sprechen zu dürfen, denn er werde über Wunder reden. Wir hätten ja gerade ein nachösterliches (!) Wunder erlebt: die Wiederauferstehung Griechenlands. Da fühle er sich gleich an die frisierten Zahlen aus dem Jahr 2000 erinnert gefühlt, als die Griechen sich für den Beitritt in die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion für reif erklärten. Da die No-Bailout-Klausel verletzt wurde, sei die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion keine Rechtsgemeinschaft, sondern eine politische Hauruckgesellschaft. Jens Weidmann tue ihm leid, denn der stehen völlig alleine da. Mario Draghi müsse das Handwerk gelegt werden. Trotz allem hält Starbatty den Vortrag lange durch ohne in einen Hurrapatriotismus zu verfallen. Doch spätestens in der Diskussionsrunde ist es damit vorbei. Was gegen die Wiedereinführung der Deutschen Mark spreche, möchte ein Zuhörer wissen. Das sei doch ganz  klar, sagt Starbatty. Dann werde alle Welt die Schuld den Deutschen geben. Die Deutschen, die den ersten Weltkrieg angefangen hätten – das werde ja derzeit relativiert, den Zweiten Weltkrieg angefangen hätten, seien auch jetzt wieder für die Zerstörung Europas verantwortlich. „Uns“ bleibe nur auf den Ausstieg der Franzosen zu warten, dann könne man sich „dahinterschmuggeln“. Als Will für den ihm für die Mühen dankt, die er sich mache, um den Nebel, den Merkel und ihre sozialdemokratische Regierung verbreiteten, zu lichten, widerspricht ihm Starbatty: das seien keine Mühen, das bereite ihm Freude.

Starbatty begegnet mir seit Jahren an den verschiedensten Stellen immer wieder. Nur ein Beispiel: Philip Plickert, den ich 1998 (als Abiturient) kennenlernte, hat ihn bei  ihm promoviert – heute ist er Wirtschaftsredakteur der FAZ. Starbatty ist sehr sympathisch wie seine alten Mitstreiter Karl Albrecht Schachtschneider und der Anfang dieses Jahres verstorbene Wilhelm Hankel ja auch. Und das obwohl er unglaublich Arrogantes von sich gibt. „Seehr verehrte Frau von der Leyen! Auch als Ärztin muss man über ein Mindestmaß an Logik verfügen“ sagt er an einer Stelle. Der Satz könnte genauso vom notorisch unsympathischen Hans Werner Sinn kommen. Aber Starbatty kann man solche Sprüche nicht übelnehmen. Er ist der liebe (und weise) Onkel.

Ein Wiesel in der Ekelstadt – Wilhelm Genazino zum 70. Geburtstag

10 Mrz

„Auf der Rheinau lebt auch eine Familie Genazino, aber die schätzt ihn nischt so sehr. Also als Person. Sind natürlich auch immer interessiert und so weiter“. Eine ältere Dame hinter mir hat Platz genommen und spricht mit einer älteren Dame neben mir.

Wilhelm Genazino, in Frankfurt lebender Mannheimer, ist in Mannheim. In Mannheim findet das siebte Literaturfestival lesen.hören statt, zum vierten Mal mit Wilhelm Genazino. Vor drei Jahren, als er in der Alten Feuerwache las und sein Roman „Wenn wir Tiere wären“ gerade in Arbeit war, habe ich schon mal darüber gebloggt. Wieder moderiert Thomas Groß vom Mannheimer Morgen, aber der Veranstaltung läuft diesmal in der Mannheimer Universität, im Südostflügel des schönen Mannheimer Schlosses. Immer wieder muß ich mir klarmachen, daß es wirklich schon 15 Jahre her ist, daß ich hier studierte, während ich durch den Gang mit sehr niedrigem Dach laufe. „War das zu Deiner Zeit auch schon so schick und modern. Sieht ja alles aus wie neugemacht“, fragt mich meine Mutter, als wir den Saal betreten. Ich weiß es nicht mehr.

Vor der dem Abend mit Wilhelm Genazino im schönen Mannheimer Schloß stellte Peter Hamm noch seinen Film über Peter Handke im Kino Atlantis vor. Doch – obwohl ich eine Karte hatte – ohne mich. Schließlich war zur selben Zeit Derby. Und ganz abgesehen davon war ich noch immer nicht hundertprozentig bei Kräften. Zwei Lesungen hintereinander wäre dann doch zuviel gewesen.

Genazino liest einige Texte aus seinem neuen Buch „Tarzan am Main“ – Sparziergänge in der Mitte Deutschlands, das starke autobiographische Züge hat. Er schreibt nicht nur über Spaziergänge in Frankfurt, die aber genauso gut in Köln oder eben in Mannheim stattfinden könnten, er schaut zurück auf die Zeit, in der er nach Frankfurt kam, und er schreibt aus seiner Kindheit. Zu Tarzan habe er ein sehr intensives Verhältnis gehabt. In seiner Mannheimer Kindheit erhielten seine Nachbarn Pakete aus dem fernen Amerika und darin waren Tarzan-Comics, die es zu der Zeit in Deutschland noch gar nicht gab. Und den ersten Tarzan-Film mit Johnny Weissmüller habe er damals in einem kleinen Mannheimer Kino „Im Müllerle“ gesehen. Mit der stummen Jane, die er sich einfach packte. Und die dann tatsächlich mitflog.

Frankfurt hat trotz Buchmesse, Goethe, Schopenhauer und Adorno nie den Anspruch erhoben, Literaturstadt zu sein. Es ist und bleibt die Ekelbänkerstadt. Da laufen selbst in Ecken, an denen man meint, man sei in Gütersloh, die Hunde mit den Rentnern rum. Das ist der städtische Wildwuchs, der darum so faszinierend ist.

Das Gespräch kommt dann auch auf den Roman, an dem Wilhelm Genazino derzeit arbeitet. Er habe derzeit etwa die Hälfte. Da sei er also noch in der Phase, in der er das Projekt auch eventuell abbrechen müsse. Mindestens zwei Drittel müsse man haben, um sich einigermaßen sicher zu fühlen. Thema sei jedenfalls das Individuum, und wie es mit der Aggressivität der heutigen Gesellschaft zurechtkomme. Ob die Sozialkritik, die in den letzten Büchern in den Hintergrund getreten sei, wieder hervortrete, will groß wissen. Vielleicht, vielleicht auch nicht. An Gesellschaftskritik hätten die Schriftsteller alles gesagt.

Den Mann, der in seine Bockwurst beißt, während ein Hund ihn anpinkelt, könne er nicht mehr bringen. Obwohl solche Dinge immernoch passierten. Welche Beobachtungen er mit seinem gedehnten Blick denn auf dem Weg ins schöne Mannheim gemacht habe, will Groß wissen, nachdem er sämtliche Punkte auf seinem Notizzettel abgehakt hat. Wilhelm Genazino erzählt stattdessen vom Frankfurter Westend, wo er einen Wiesel gesehen habe. Es gebe tatsächlich Wiesel in Frankfurt, so groß wie ein Kinderarm. Das stehe auch in der Zeitung. Die ältere Dame neben mir kann vor Lachen sich nicht halten.  Genzino selbst lächelt sehr verschmitzt.

Herzlichen Glückwunsch nachträglich zum 70. Geburtstag!!

Vor 30 Jahren: SV Waldhof Mannheim steigt in die Erste Liga auf

8 Mrz

Neulich, in meiner Lieblingsbar, lernte ich einen Mann kennen, mit dem ich rasch ins Gespräch über Fußball kam. Er war ganz überrascht, daß neben ihm ein BVB-Fan saß, der auch noch für die Fanabteilung aktiv ist. Viel mehr überrascht war ich jedoch über die Geschichten, die er von früher erzählte. Aus den Achtzigern. Als er lange Haare hatte, sie sich aber schneiden lassen mußte. Weil er nämlich bei den Heimspielen des SV Waldhof Mannheim Karten abriss, und da durfte er keine langen Haare tragen.

Damals waren Waldhof-Spiele gut besucht. Die Heimspiele fanden im Ludwigshafener Südweststadion statt, was dem Erzrivalen aus der Westpfalz gar nicht gefiel, denn mit der Bühne jenseits des Rheins war Waldhof natürlich ins Heimterritorium des FC Kaiserslautern vorgestoßen. Die Waldhof-Fans habe man damals gar nicht als so neben der Kappe wahrgenommen, wie man heute denkt, wenn man Fernsehaufnahmen von den damaligen Spielen, sagte er. Die meisten seien eben einfach „derbe Pfälzer“ gewesen.

Im Mai ist es 30 Jahre her, daß der SV Waldhof Mannheim mit Trainer Klaus Schlappner in die Erste Bundesliga aufstieg. Es war der Höhepunkt in der jüngeren Geschichte des Vereins. Sieben Jahre später folgte der abstieg, heute spielt Waldhof in der Regionalliga. Waldhof war in den sieben Jahren erste Liga ein unbeliebter Gegner – die meisten wußten, daß es von den Waldhof-Buwe Tritte in die Hacksen gibt. Und trotz des Rauf- und Tret-Fußball-Images brachte Waldhof Größen wie Maurizio Gaudino, der 1992 mit dem VfB Suttgart Meister wurde, oder natürlich Fußballgott Jürgen Kohler, den die Leser dieses Blogs kennen dürften,  hervor.

Wenn ihr, liebe Fußball-Fans, Bildmaterial aus der 1. Bundesliga-Saison des Traditionsvereins SV Waldhof Mannheim, also der Saison 1983/84 habt, dann meldet euch beim Fandachverband PRO Waldhof und unterstützt die geplanten Jubiläumsaktionen.

An einem ganz gewöhnlichen Spieltag

11 Mrz

Ein Samstagnachmittag in Mannheim. Kurz nach halb vier, ich sitze in einem Café. Ein dicker Mann in meinem Alter tippt auf seinem Smartphone rum und lacht dreckig. „Eens null, erschte fünf Minutte“ Seine zierliche Freundin tut so, als wisse sie gar nicht, wovon er redet. „Straf-Elfmeter, zwee null, isch trink noch e Bier, hehehe,“seine Lache ist grauenvoll. „Eens Null Augsburg nachher, des wärs doch.“ Seine Freundin oder auch Frau scheint andere Sympathien zu haben. Schüchtern sagt sie“ Aber letztes Jahr war Dortmund Meister. Und das werden sie dieses Jahr wieder. Definitiv.“ Der Dicke schüttelt den kopf und geht auf Toilette.  Ich dachte: Den Spieltag kannste knicken.

Was natürlich Unsinn war und ist. Das Unentschieden im Augsburg hat zu einigen Stellungnahmen im S-G-Forum geführt, denen ich nur beipflichen kann: Endlich ist die Siegesserie vorbei. Klar ist es ärgerlich, aber gleichzeitig auch wieder nicht. Im Fußball kommen Unentschieden und Niederlagen vor. Mal häufiger, mal seltener. Und wenn man 19 Spiele ungeschlagen ist und 8 Siege in Serie einfährt, hat mancher das schon vergessen. Ich gebe zu: Auch bei mir waren die letzten Spiele von der Angst vor einer Niederlage begleitet. Was irrsinnig ist. Borussia Dortmund wird in dieser Saison vermutlich auch nochmal verlieren, was ich mir wirklich nicht wünsche, aber sowas kommt vor. Und irgendwann kommen wieder die Zeiten, in denen das sehr oft vorkommt. Gewiß würde ich wieder vor Freude wahnsinnig werden, wenn der BVB auch 2012 die Meisterschaft oder gar das Double holte. Aber selbst wenn es am Ende „nur“ für Platz 3 reicht, ist das viel mehr, als man am Beginn der Saison vorhergesagt hat. Kurz gesagt: Ich will mich über jeden Sieg wirklich freuen und nicht einfach nur erleichtert sein.

Schönen Sonntag und gute neue Woche euch allen!

Die Zeiten ändern sich und bleiben doch die alten

18 Okt

Das waren wieder tolle Nachrichten: Lucas Barrios, auf dessen volle Einsatzfähigkeit seit Saisonbeginn jeder wartet, hatte sich im Training verletzt und würde im CL-Spiel gegen Piräus ausfallen.

Die aber wirklich großartige und bewegende Nachricht des Tages, die überall die erste sein sollte: Gilad Schalit ist nach mehr als fünf Jahren wieder in Freiheit bei seiner Familie. Zuerst hatten ihn die Ägypter noch zu einem grausamen Interview gezerrt. Aber dann endlich hatte ein langes Warten ein Ende. Über das wichtigste Bild des Tages berichtete Bloggerin Lila.

Das Gefühl der Erleichterung über die Freilassung dieses jungen Mannes, den ich nicht kenne, überwog also selbst die Vorfreude auf das Spiel morgen in Griechenland. Eine Vorfreude, naturgemäß von großer Nervosität durchzogen. Morgen geht es wirklich um den Einzug ins Achtelfinale. Unsere Jungs müssen gewinnen.

Im Vergleich dazu, der Tag heute vor zwölf Jahren, ein montag. Dieser Tag war nur durch größtmögliche Anspannung, durch Angst bestimmt. Wir jungen Männer trafen uns zur semestereinleitenden Besprechung um 20hct in dem im Sauna-Look gestalteten Kneipsaal und ich hatte versagt. Der eine ältere Mann, von dem ich wußte, daß er nicht nur verärgert über mich sein würde, betrat mit einem halb verschluckten „Guten Abend“ den Raum durch die Schwingtür. Ich, der Versammlungsleiter, stand fünf Stunden auf der Stelle. „Wir sprechen hier auch von groben Pflichtverletzungen und wir werden noch intensiv darüber sprechen“, meinte der ältere Mann. Harte Themen folgten aufeinander, aber es ging bei weitem nicht nur um mich. Ich hatte viel auszuhalten und hielt aus und behielt die Führung. Und ich wurde am Ende des Gefühl nicht los, daß eine wahre Standpauke anders aussähe. Aber das wirklich Schlimme blieb: Ich hatte versagt und mir monatelang beim Versagen zugeschaut.

Was war das dagegen heute für ein Tag? Der Wind schmiß vor der norisbank am Willy-Brandt-Platz ein Standplakat um. „Woohoo“ meinte ein vor mir herlaufender, langhaariger junger Mann. „Der Wind gehört zu den 99%. Der hat was gegen BANKEN.“

Wtf?

Vollgasfußball macht platt

16 Okt

Das Hammerspiel gegen Werder Bremen ist schon wieder 36 Stunden her, und ich komme jetzt erst zum Bloggen. Als ich abends auf dem Weg nch Mannheim war, fragte Matthias vom duesiblog noch kurz, ob man sich treffenwolle. Ich war ganz überrascht, daß er zum Fußballgucken kam. Matthias und ich, wir kennen uns seit 1992 noch von der Schule und hatten uns vier Monate lang nicht gesehen. Als wir uns kennenlernten war ich in der neunten und er in der fünften Klasse. Er und seine Klassenkameraden bildeten damals so eine Kinder-Fangruppe des SV Waldhof Mannheim 07 und skandierten auf dem Schulhof die üblichen Parolen. Aber Matthias ist seit etwa zehn Jahren vom Fußball weg und dass er alles andere als begeistert sein würde, wenn er den halben Abend in nem Raucherzimmer mit Sky sitzen müsse, war mir auch klar.

Elektrisierend war das Spiel. Ich hatte hier ja schon geschrieben, daß meine Erwartungen nicht allzu groß waren. Nach den ganzen Länderspielen auswärts gegen ne sehr spielstarke Mannschaft. Und dann spielen die 40 Minuten in Unterzahl und ringen Werder nieder. Und so klasse die Verteidigung, insbesondere auch Roman wieder waren, so kam es ja doch zu ner Menge gefährlicher Situationen. Bis zum Ende hab ich auch nach dem entscheidenden 2:0 durch  Patrick Owomoyela gezittert und  ich war am Ende mit meinen Nerven zu Fuß. Mensch, das war der kämpferische Vollgasfußball des BVB, der dich plattmacht.

Und wie das so an einem Freitagabend mit nem schönen Auswärtssieg ist, wurde es reichlich spät. Wir zogen weiter in eine Kneipe, Priesterzions stieß noch dazu, in eine Kneipe, in der ein Wirt im Gladbach-Shirt bediente. Einer am Thresen rief immer „Waldhof“ zu uns rüber und wiederholte den Spruch „Der schönschte VW is de SVW“, eine ältere Dame zeigte uns ihre Telefonrechnungen. Ich bin dann irgendwann noch in der Rosanellis Bar versackt und verwunderte die schwarzen Fummel des Personals auf der „Skandal Party.“ Der Samstag war entsprechend zerrissen, aber der Sieg der Pfälzer gegen Schlacke machte diesen neunten Spieltag wirklich schön.

Heja BVB!