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Die Fitness-Blödriane

5 Sep

Markus Rühl verstand auf der Fibo 2015 die Welt nicht mehr. Rühl, das „Biest“, ein deutsches Urgestein des Bodybuilding, das ca. 2012 nach rund 20 Jahren Training und rund 70 Wettkämpfen seine Sportlerkarriere beendet hatte, musste auf der großen Kraftsportmesse staunen: „Wenn du hier zwei zusammen siehst, die für ein Foto posieren, fragste dich doch, wer der Fan und wer der Star ist.“ Die junge Generation interessiere sich nur noch für „Stars“, die statt für Mr. Olympia zu trainieren, Videos hochladen. Das reicht heute, um die Massen anzulocken.

Die Fitness-Youtuber. Die wahrscheinlich tatsächlich in den letzten Jahren dafür gesorgt haben, dass die aus der Altersklasse 15 bis 25 rund 20 bis 30 Prozent mehr Jungs ins Fitness-Studio („Gym“ in der Youtuber-Sprache) rennen als früher. Mit dem Ziel, nach wenigen Wochen auszusehen, wie Jeff Seid. Bekanntester unter ihnen ist wohl Karl Ess, der seinen Zuschauern im Schnitt fünfmal die Woche erzählt, dass er einen Ferrari fährt – das zieht ein immer größeres Publikum an.

Was das mit Fitness zu tun hat? Es geht um den „Lifestyle“. Ess ist Mitte Zwanzig, eigenen Angaben zufolge Deutsch-Amerikaner, studierte auf Wirtschaftsingenieur und war irgendwann pleite. 2012 fing er an Videos zu machen, in denen er – wohl nach dem Vorbild von Elliott Hulse – den Leuten Tipps geben will, wie man – er spricht wohl wirklich in erster Linie Jungs an – erfolgreich werden kann, und zwar „im Bereich Fitness, im Bereich Business, im Bereich Frauen“. Und das geht am besten mit veganer Ernährung und dem richtigen Training.

Ess hatte dafür zu nächst einen damals 18jähriges Model parat – sozusagen die deutsche Version von Jeff Seid: Der Stuttgarter Tim Gabel, ein gut aussehender Schüler, der für sein Alter schon ganz schön was an Muckis zu bieten hat. Trotz der eigenen mäßig vorhandenen Muskelmasse ist Ess selbst einfach zu häßlich, um die Jugendlichen anzulocken. Dazu kam noch ein weiterer „Youtube-Star“, Nico Lazarides, der sich für einen „Comedian“ hält und sich „Inscope21“ nennt, früher Videos in Sachen „Gaming“ machte und nun auch ein bißchen Fitness probieren wollte.

Inzwischen haben sich Gabel und Inscope von Ess getrennt: wegen dubioser Geschäftsmethoden von Ess. Der hat sich inzwischen eine große Fitness-Welt aufgebaut und macht 800.000 Euro Umsatz im Monat. Dafür hält er auch gerne mal zu Beginn seiner Videos seine Autoschlüssel in die Kamera, um den Zuschauern dann gleich eine Lektion in Sachen Sozialneid zu erteilen: „Klar kaufe ich mir ne Rolex. Und soll ich euch sagen warum? Soll ichs euch wirklich sagen?? Weil sie sich ein anderer nicht kaufen kann.“ Er betreibt „Network Marketing“ mit Vemma, verkloppt seine aus dem Netz zusammengestellten Trainings- und Ernährungspläne als „360-Grad-Paket“ für 150 Euro und ist Teilhaber an der Stuttgarter Klamottenmarke GA-Gym Aesthetics. „Jeder weiß, wie ich mein Geld verdiene. Ich bin der Ehrlichste.“ Seine Videos laufen alle nach dem selben Schema ab: Er schreit ein paar mal „Iööööhhhh“ in die Kamera, sagt ein paar mal was über seinen Ferrari verabschiedet sich mit „haltet euch fit“. Obwohl er noch nie auf der Bühne stand und auch nie stehen wird, weil er sportlich rein gar nichts reißt, hat er unzählige Nachahmer gefunden.

Mittlerweile wimmelt es nur so von „Fitness-Youtubern“, die sich den Leuten ihre tägliche Soap bieten: sich in die Küche stellen dort ihren Reis kochen, über ihr Ernährungstagebuch sprechen, ein „Scoop“ Whey Protein in die Milch mixen und über ihre Fortschritte beim Negativ-Bankdrücken plaudern. Und sich immer wieder gerne nackig vor die Kamera stellen, denn „Posing-Updates gehören einfach zum Sport“.

Der Rentner Rühl ist inzwischen selbst unter die Youtuber gegangen, wobei er sich nicht nur in seiner Ausdrucksweise angenehm von Ess und Konsorten unterscheidet. Der Mann weiß schlicht, wovon er spricht.

Hulk läuft keinen Marathon

29 Jun

Ich habe mich entschieden. Trotzdem fange ich jetzt erst richtig an zu tüfteln.

ende letzten Jahres hatte sich mein Laufkumpane zum Köln-Marathon angemeldet. Vor Silvester war das noch deutlich günstiger, alle paar Monate macht die Anmeldegebühr einen Sprung. Ich habe bis jetzt, genauer gesagt bis vorgestern, mit der Entscheidung gehadert. Dafür gab es zum einen die typischen Gründe: So einen Trainingsplan durchzuhalten, geht schließlich an die Substanz, den ganzen Sommer lebt man nur für das bestimmte Ziel, man kann nicht einfach irgendwelche Urlaube dazwischenbuchen und so weiter. Aber der Hauptgrund war: obwohl ich seit vielen Jahren dem Laufen verfallen bin, habe ich es in den letzten elf Monaten stark vernachlässigt. Ich lief zwar immer wieder, hatte aber den Fokus woanders: auf Krafttraining. Dreimal in der Woche bin ich in die Mucki-Bude gedackelt und habe nach dem WKM-Plan trainiert, also versucht, Muskeln aufzubauen. Das gelang nicht bisher nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber dennoch konnte ich vor allem bei den Kniebeugen und dem Kreuzheben die Kraftwerte beachtlich steigern und auch mein Körpergewicht habe ich von gut 72 auf zeitweise 80 kg gesteigert (aktuell sind es 77).

Nun habe ich mich für Köln angemeldet. D.h. bis zum 4. Oktober 2015 heißt es Kilometer machen. Wie kann ich das nun mit dem Krafttraining kombinieren? Zunächst: Weitermachen wie bisher kann ich in den nächsten drei Monaten nicht. Letzte Woche machte ich bereits den ersten Fehler. Dienstag schwere Kniebeugen, danach noch auf die Beinpresse. Am Mittwoch habe ich einen kurzen Lauf über 7,6 km absolviert. Taten die Beine schon während des Laufens weh, kam ich anschließend nicht mehr aus der Dusche und am nächsten Tag nicht mehr die Treppe rauf und runter. Ein Muskelkater, als wäre ich drei Marathon in einer Woche gelaufen. Ungelogen.

Aber mal abgesehen davon. Dass ich Abstriche machen muss, sollte klar sein. Wenn du Erfolg haben willst, musst du dich auf eine Sache konzentrieren. Markus Rühl trainiert keinen Triathlon, Haile Gebrselassie stand nie auf der Bühne. Und ein Marathon-Training zehrt derart an den Kräften, dass der Körper kaum noch Muskeln aufbauen kann. Fünf- bis sechsmal die Woche laufen lässt kaum Zeit für den Studiobesuch. Dennoch: ganz auf das Krafttraining verzichten möchte ich nicht. Im Schnitt sollte eine Einheit pro Woche weiterhin drin sein. Was funktioniert und was nicht, werde ich ausprobieren. Wer mir dazu Tipps geben möchte, möge dies tun, ich bin für jeden Hinweis dankbar. Über alles Weitere werde ich hier weiter schreiben.