Schlagwort-Archiv: Israel

Die Zeiten ändern sich und bleiben doch die alten

18 Okt

Das waren wieder tolle Nachrichten: Lucas Barrios, auf dessen volle Einsatzfähigkeit seit Saisonbeginn jeder wartet, hatte sich im Training verletzt und würde im CL-Spiel gegen Piräus ausfallen.

Die aber wirklich großartige und bewegende Nachricht des Tages, die überall die erste sein sollte: Gilad Schalit ist nach mehr als fünf Jahren wieder in Freiheit bei seiner Familie. Zuerst hatten ihn die Ägypter noch zu einem grausamen Interview gezerrt. Aber dann endlich hatte ein langes Warten ein Ende. Über das wichtigste Bild des Tages berichtete Bloggerin Lila.

Das Gefühl der Erleichterung über die Freilassung dieses jungen Mannes, den ich nicht kenne, überwog also selbst die Vorfreude auf das Spiel morgen in Griechenland. Eine Vorfreude, naturgemäß von großer Nervosität durchzogen. Morgen geht es wirklich um den Einzug ins Achtelfinale. Unsere Jungs müssen gewinnen.

Im Vergleich dazu, der Tag heute vor zwölf Jahren, ein montag. Dieser Tag war nur durch größtmögliche Anspannung, durch Angst bestimmt. Wir jungen Männer trafen uns zur semestereinleitenden Besprechung um 20hct in dem im Sauna-Look gestalteten Kneipsaal und ich hatte versagt. Der eine ältere Mann, von dem ich wußte, daß er nicht nur verärgert über mich sein würde, betrat mit einem halb verschluckten “Guten Abend” den Raum durch die Schwingtür. Ich, der Versammlungsleiter, stand fünf Stunden auf der Stelle. “Wir sprechen hier auch von groben Pflichtverletzungen und wir werden noch intensiv darüber sprechen”, meinte der ältere Mann. Harte Themen folgten aufeinander, aber es ging bei weitem nicht nur um mich. Ich hatte viel auszuhalten und hielt aus und behielt die Führung. Und ich wurde am Ende des Gefühl nicht los, daß eine wahre Standpauke anders aussähe. Aber das wirklich Schlimme blieb: Ich hatte versagt und mir monatelang beim Versagen zugeschaut.

Was war das dagegen heute für ein Tag? Der Wind schmiß vor der norisbank am Willy-Brandt-Platz ein Standplakat um. “Woohoo” meinte ein vor mir herlaufender, langhaariger junger Mann. “Der Wind gehört zu den 99%. Der hat was gegen BANKEN.”

Wtf?

Ich kann nicht auf jeder Hochzeit tanzen

12 Okt

Zwei Monate nach dem Spiel gegen Nürnberg will ich nächste Woche endlich mal wieder ins Stadion. Aber was da alles an dem Wochenende stattfindet. Das ganze Jahr haben die Leute Zeit Veranstaltungen dieser Art zu machen und dann muß das alles am 22./23. Oktober sein. Ich will euch nicht vorenthalten, was ich alles verpasse, denn ich kann nur jedem blogleser all das empfehlen.

Thomas Maul von den Bahamas spricht am 22.10. um 19 Uhr bei der Gruppe Monaco in München zum Thema “Gender Mainstreaming, islamisches Patriarchat und die antisexistische Linke”. 

Tilman Tarach, Alex Feuerherdt und Nirit Bialer referieren in Frankfurt a.M. zum Thema “Deutschland – Israel: Ein schwieriges Verhältnis”. ebenso am 22.10. Den beiden habe ich letztes Jahr schon in Frankfurt gelauscht. Geht dahin!

Diese Veranstaltung findet am Vorabend des zweiten Israelkongress statt. Auf dem ersten war ich letztes Jahr. Meldet euch an und geht hin!

In Gummersbach auf der Theodor-Heuss-Akademie findet an dem Wochenende das Seminar Liberale Blogosphäre statt. Auch eine ebensolche Veranstaltung habe ich letztes Jahr im mai mit sehr netten Leuten wie Achim Hecht, Daniel Fallenstein, Tim Beil und Daniel Drungels erlebt.

Was euch weniger interessieren wird: Mein ruderverein, bei dem ich mich seit Jahren nicht habe blicken lassen, macht Herbstputz (daran habe ich mich vor acht Jahren mal beteiligt) und mein Kurpfalz-Gymnasium Mannheim feiert an dem Wochenende im Mannheimer Rosengarten sein 50jähriges Bestehen. Daß ich dort nicht hingehe, tut mir allerdings sehr leid.

Was mache ich? Besuche das Heimspiel gegen den 1. FC Köln. Aber nichts ist wichtiger als der BVB!

Land der Unvernunft

24 Sep

Volker Beck, ohgottohgottohgott!

Aber ich fange bei der Vernunft an. Die wohnt noch in der Welt, wie wir diese Woche sehen konnten. Zwei vernünftige Männer hielten zwei vernünftige Reden. Der eine im Bundestag, der andere vor den Vereinten Nationen in New York. Kann man nicht vergleichen? Mag sein. Aber wenn zwei Männer in kurzem Abstand eindrucksvolle Reden halten, werde ich doch noch beide in Zusammenhang bringen dürfen.

Zunächst zum Papst: Der Mann trat im Bundestag als Bannerträger der Vernunft auf. Haverkamp, werden manche von euch sagen, da begibst du dich auf das Niveau von Franz-Josef Wagner, der gestern in BILD erklärte, in die Rede verliebt zu sein, oder auf das vom rechtsradikalen Else . Die zwei Vollidioten haben in dem Fall zufällig recht. Von zentraler Bedeutung ist für mich seine Warnung vor dem positivistischen Vernunftbegriff: “Wo die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gilt – und das ist in unserem öffentlichen Bewusstsein weithin der Fall -, da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt.”

Deutschland demonstrierte gegen den Mann, während Ahmadinejad an anderer Stelle auftrat, was so gut wie niemanden interessierte. Der gilt im schlimmsten Fall als Spinner unter vielen. Gestern dann trat Netanjahu auf und streckte die Hand zum Frieden aus. Sehr zurecht wies er zunächst auf die Gefahr der nuklearen Bewaffnung des Mullah-Regimes in Teheran hin. Er erinnerte an das Schicksal von Gilad Shalit. Und er forderte Abbas auf, Israel anzuerkennen und Frieden zu schließen. Da heißt es für die hiesigen Medien freilich: Feuer frei!

In dieser Woche war also der Papst Gast im Lande der Unvernunft und Netanjahu sprach vor der Versammlung unvernünftiger Nationen. Und wo ich von der Unvernunft spreche, bin ich auch schon wieder bei Volker Beck. Von den Grünen. Die besonders Gescheiten wußten dieser Tage den Papst-Auftritt im Bundestag mit dem Hinweis zu kommentieren, daß ja “eigentlich” der Staat in religiösen Fragen neutral sein sollte. Ich habe dann imer als erstes gesagt, daß sich ja auch niemand aufrege, wenn Roland Koch den Gottesclown aus Tibet empfange. Schwups, schon laden sie ihn ein. Oder wollen sie ihn einladen. Und damit die deutsch-chinesischen Beziehungen beerdigen. Der Beckvolker. Dieser abgrundtief häßliche rechtspolitische Sprechaffe der Grünenfraktion mit dieser weinerlich-schaurigen Stimme. Diese grüngrüne Labertasche erklärt bei Maybirt Illner, “alle” im Bundestag teilten das Anliegen dieses ulkigen buddhistischen Mönchs. Vermutlich hat er damit sogar recht. Bääh!

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